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Homöopathie und ADHS
Wahrnehmungsstörungen
Die globale Diagnose Wahrnehmungsstörung (wahlweise ADS, Hyper-aktivität e.a.) fasst im Vorschul- und Schulalter Beobachtungsphänomene an Kindern zusammen, die sich irgendwie nicht “der Norm entsprechend” verhalten und deshalb auffallen.
In der Regel sind damit entweder zu wilde, oppositionelle, zwanghafte, antisoziale, impulsive oder (seltener) zu stille, ängstlich-depressive oder selbstunsichere Kinder gemeint.
Ihr Lebensweg sei - so wird prospektiv unterstellt - in persönlicher und sozialer Hinsicht gefährdet, weil ihr Verhalten mit der Zeit zu Fehlent-wicklungen auf der Lern und Leistungsebene führen würde und so eine gesellschaftliche Integration erschwert sei.
In der Regel wird mit der Äußerung “Wahrnehmungsstörung” also eine therapeutische Bedürftigkeit angemahnt.
Die Zunahme auffälliger Kinder in Praxen und Kindergärten ist unbestritten und in höchstem Maße besorgniserregend. Dennoch regt sich bei den meisten Fachleuten Unmut über die nahezu inflationäre Tendenz wie in der Öffentlichkeit mit dieser griffigen Kurzformel umgegangen wird. Die leichtfertig ausgesprochene Aussage “Ihr Kind hat Wahrnehmungsstörungen!” stigmatisiert Kinder und Eltern gleichermaßen und erzeugt zum Teil irreversible Zukunftsängste.
Die fürsorgliche kritische Begutachtung erfordert Wissen, Erfahrung und sensiblen Umgang.
1.Der Begriff “Wahrnehmungsstörung “ wird als Diagnose und Therapieempfehlung zwar häufig benutzt, findet sich aber als solcher nicht in der Diagnoseklassifikation des ICD und im Sozialgesetzbuch. Die Aussage “Wahrnehmungsstörung” ist nach dieser Logik also gar keine Diagnose, sondern nur eine griffige Summenformel für etwas “Unstimmiges“.
2. Die Wahrnehmung und das resultierende Verhalten hat sich offensichtlich an einem mehr oder weniger normierten Weltbild zu orientieren. Dieser wie auch immer geartete Kodex “ was man tut oder zu lassen hat ” ruht prinzipiell auf den Säulen kultureller Übereinkunfte im Sinne eines anerkannten Wertekanons ( “Andere Länder, andere Sitten“.... früher hätte man...”, “..so ist es richtig .” “ was Hänschen nicht lernt ...”). Er repräsentiert folglich (evolutiv) regional Bewährtes, beinhaltet aber keinesfalls objektive oder absolute Normen. Wie leicht können Überzeugungen und persönliche Glaubenrichtungen des Bewertenden dazu führen seinen Gegenüber schon deshalb als “gestört “ zu empfinden, nur weil er seinem Werterahmen zuwiderläuft. Doch ist das suchend agierende Kind deshalb wirklich bereits “auffällig”, nur weil es sich eigen -sinnig(!) verhält?
3.Welche Würdigung findet in diesem Zusammenhang der Begriff “Durchgangsphänomen”? Schliesslich gibt es auf jedem Weg Traumata, Unterdrückungen, Neuorientierungen, Ängste und Krisen, kurzum eine Fülle innerer und äusserer Herausforderungen, die verarbeitet werden wollen und daher - toleranterweise - zu temporären Auffälligkeiten führen müssen. Wird nicht jene Bewertung “Wahrnehmungsstörung” im Alltag gelegentlich auch deshalb viel zu voreilig gestellt, weil Hyperaktivität, Impulsivität oder “ADHS” in Wirklichkeit nur mit Suche nach Eigenständigkeit und Bewältigung verwechselt wird ?
Man wird bei genauer Betrachtung in der heutigen überreizten Informationswelt der Erwachsenen geradezu herausgefordert, schnell, flexibel eigenständig, ja sogar “querdenkerisch” (schöpferisch) zu handeln. Ist es unter diesem Aspekt betrachtet nicht geradezu zynisch von orientierungssuchenden Kinder Gelassenheit, soziale Kompetenz gepaart mit quasi “preussischen” Tugenden einzuklagen, während um sie herum allerorts hemmungslos und ausufernd wahlweise die Leistungs- oder Spassgesellschaft (“after -work-parties ”!!) propagiert wird ?
4. Sind Exzesse oder Depressionen - als zeitlich begrenzte natürliche Extreme - nicht geradezu gesunde, ja notwendige Reaktionen, weil erst durch Ausleben statt Einebnen eine maximale emotionale und geistige Bandbreite erfahren werden kann, die ein unbeschwertes Einschwingen in die zu bewältigenden Anforderungsphänomene der Welt diese letztlich sogar evolutiv bereichert?
5. Fokussieren wir uns bei genauer Betrachtung (angeheizt gewollt und bestätigt durch Medien und Pharmariesen mit ihrem logisch - verständlichen Blick auf die “shareholder-values”) nicht immer häufiger und geradezu bereitwillig auf Fehlentwicklungen und vermeindliche Fragilitäten unserer Kinder statt ihre Resourssen, Selbstheilungskräfte und kindstypischen Experientierverhalten gelassen zu würdigen? Haben wir das Zutrauen im Hinblick auf unsere eigene Evolution verloren? Oder haben nicht gar vielmehr wir Erwachsene - angesichts der sich dramatisch verrückenden Welt - im Wirklichkeit den Boden unter den Füßen verloren, und behandeln - im Sinne von Ersatz-handlungen – lieber sog. hektische Kinder, anstatt (auch) unser Tempo zu hinterfragen ?
Wie auch immer. Wahrnehmungsbeurteilung fordert von Therapeuten die Beantwortung der uralten Frage: Was ist “normal” und was “ fällt aus dem Rahmen”. Wo beginnt ein Prozeß, der “aus dem Ruder läuft”.
Die statistisch- kollektiven Annäherungen der Schulmedizin an diese Frage sind hinlänglich bekannt. Daher lohnt es sich Reiz- Reaktionsverhalten, Wahrnehmung und Veräusserung einmal aus alternativer - individueller - Perspektive eingehender zu betrachten.
Ziel dieses Aufsatzes ist es mit Hilfe komplementärer Erkenntnisse aus der chinesischen Medizin und der Homöopathie dazu beizutragen, die Sichtweise des Begriffes “ Wahrnehmungsstörung” zu erweitern.
Hier lesen Sie den ganzen Artikel .Modifiziert ADHS.pdf