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Entwicklung des Babies im ersten Lebensjahr
Zur Entwicklung Ihres Babys
oder 1000 Wege führen nach Rom
Weit vor der Geburt haben sie sich Gedanken über sich und ihr Baby gemacht. Sie sind zur Schwangerenvorsorge gegangen, haben viel über gesunde Ernährung gelesen und Babybücher durchgearbeitet.
Nichts wurde dem Zufall überlassen.
Und dann mußten Sie feststellen,dass sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben: Die Geburt verlief anders als erwartet, nicht unbedingt unangenehmer, aber doch nicht so wie es in Büchern stand und sie es sich ausgemalt haben.Vielleicht hatten sie sich vorgenommen ambulant zu entbinden, und dann hat Ihnen Ihr Jüngster einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil ausgerechnet er die Gelbsucht bekommen musste. Vielleicht machte Sie auch ein etwas verzögerter Milcheinschuß unsicher. Oder auch umgekehrt: Sie sind fast ein wenig skeptisch geworden, weil alles so glatt lief. Hatten Ihnen vor der Entbindung nicht hier und da Bekannte erzählt, dass „die Umstellung so einfach nicht“ wäre?
Die Ursache :
Ihr Baby gibt sich wie es ist : einzigartig, unverfälscht, direkt und kompetent
Einige Wochen später ist schon vieles Routine geworden. Langsam - aber im Verhältnis zu vielen anderen Beziehungen doch wieder überraschend schnell - haben sich Baby und Eltern aneinander gewöhnt. Die Debatten um Windelfragen sind inzwischen abgeflaut, und auch die Frage, wie ein Babypo am besten zu behandeln sei, ist nicht nicht mehr Gegenstand täglicher Auseinandersetzungen. Das kann sich jedoch rasch ändern, wenn ein Windelausschlag auftritt und sofort aus der Umgebung Stimmen lauter werden,die natürlich schon immer wußten, dass man Baby eben häufiger hätte wickeln müssen. Im gleichen Atemzug gewinnt das Thema „Sauberkeit und Baden“ an Aktualität. An Informationen mangelt es auch hier nicht. Medien, Internet,erfahrene (Groß)Eltern und ........ wissen wie es „richtig“ gemacht wird. Engagiertr sind sie alle , nur leider haben sie auch alle unterschiedliche Ratschläge Tja
Kaum ist der Po wieder verheilt, nehmen vielleicht die Schreiphasen zu. Man weiss ja, dass alle Kinder hin und wieder schreien, aber gleich „so viel?“ Sind vielleicht -> Blähungen die Ursache? Verschiedene Tees werden - gefragt oder ungefragt - als wahre Wundermittel angepriesen. Eine Minderheit, wie sollte es anders sein, bestreitet die positiven Auswirkungen und schwört stattdessen auf Baden. Das wiederum belebt die Frage, wie es zu Windelausschlägen kommt. Na gut, dann eben weniger Baden sondern mehr Musik. Musik helfe ja bekanntlich schon bei der Entwicklung der Babys im Mutterleib. Da wäre es doch logisch, so der Experte,wenn es Übelkeit, Unruhe und Verstopfung nicht auch „lösen“ könne. Schön, man müsse zwar unterscheiden zwischen Mozart, Miles Davis und Madonnna aber an Musik könne man sich gar nicht früh genug gewöhnen und sei außerdem in jedem Fall für die Frühentwicklung immer gut. Aber vielleicht schreie er/sie auch, weil er schon wieder Hunger habe oder er die Milch nicht vertrage? Vielleicht sollte man zufüttern oder gar die Ernährung umstellen? Aber man hört so viel negatives von Beikost und überhjaupt was ist dann mit den Allergien? ............ .
Es kann also nicht verwundern, wenn die Zahl der Ratschläge ähnlich hoch sein dürfte wie die Geburtenrate. Alle Eltern haben von ihren Kindern gelernt,sie beobachtet und eigene Erfahrungen machen müssen, ebenjene, wie sie am besten mit ihrem Kind zurechtkommen. Die Vielzahl der bereitwilig weitergegebenen Ratschläge zeigt also nur die Phantasie und Bandbreite, mit der Eltern ihren Kindern begegnen. Aber - und da liegt der Knackpunkt - sie lassen sich nicht verallgemeinern und speziell nicht ohne weiteres auf Ihr Kind übertragen.
Jedes Baby handelt nach seinem eigenen Kopf und meldet sich wenn ihm etwas mißfällt oder ist umgekehrt still, wenn es ihm gut geht.
Das ist wohl der ganzheitliche Inbegriff von " Stillen" . Jedes Baby ist gestillt und dann eben auch still wenn seine persönlichen Bedürfnisse befriedigt sind. DIe werden natürlich durch Hunger empfindlich gestört, aber auch Trennung, also quasi Hunger nach Nähe kann ein Unruheherd sein. Es kann ausserdem zu kalt, zu warm, zu hell zu dunkel zu laut , zu leise oder ......... sein. All das lässt jedes Baby je nach Temperament und Umständen unruhig werden, es ist nicht mehr still und schreit bis das Problem behoben ist.
Die erste Eingewöhnungfase dauert etwa etwa 6 Monate. Die chinesische Medizin spricht von einer verlängerten Schwangerschaft, hier hast sich der Begriff Nestschutz eingebürgert und die Psychoanalyse hat für diesen Zeitraum den Begriff des "Urvertrauen" geprägt.
Es ist die genaugenommen nach der der Schwangerschaft die zweite Fase des Kennenlernens aber die erste unter "irdischen Bedingungen".
Ein Baby würde das vielleicht so ausdrücken: Wenn was ist sage ich Bescheid, und bringst das für mich wieder in Ordnung o.k.? Ich höre sofort mit dem Geschrei auf wenn du mein Problem gelöst hast, versprochen! Ach noch etwas: Du solltest wissen ich bin nicht nachtragend, kannst also ruhig einen Fehler mehrfach machen. Und wenn ich dann wieder still bin kannst du mich ruhig allein lassen. Ich melde mich schon wieder: Du verstehst : Am besten hörst du auf mich und jetzt geh und beruhige Oma ...... !
Auch die Entwicklung der Bewegungsfähigkeiten (motorische Entwicklung), der Sprache und des Verhaltens Ihres Kindes kann nur einzigartig verlaufen. Die beste Voraussetzung für eine ungestörte Entwicklung ist eine gut verlaufende Schwangerschaft und eine unkomplizierte Geburt. Mit „unkompliziert„ ist gemeint: Mutter und Kind sind nach der Geburt wohlauf .Die Eltern freuen sich aufs Stillen und das Baby trinkt gut und gerne: kurzum es wächst.
Die Geburt ist die mit Abstand größte Bewährungsprobe,die Babys in ihren frühen Entwicklung zu bewältigen haben. Alle weiteren Entwicklungsschritte verlaufen nach einem gutem Start praktisch wie von selbst. Und ein guter Start kann objektiv nachgelesen werden am sogenannten APGAR Punkeschema und am pH Wert aus der Nabelschnur (Beide Werte finden sie im gelben Vorsorgeheft unter U1). Der pH ist wie jeder Ausdauersportler weiß ein Mass für die Übersäuerung und damit ein Hinweis für eine Stressbelastung. Fragen sie ihren Geburtshelfer, und lehnen sie sich beruhigt zurück wenn der Nabelschnurblut pH über 7.15 liegt.
Jedes Baby entfaltet aud faszinierende Weise von Anfang an seine eigenständige Persönlichkeit mit individuellem Temperament,Vorlieben und Abneigungen.
Wie sich Ihr Kind in der Folgezeit entfaltet ist allerdings nicht vorhersagbar. Die gute körperliche Entwicklung läßt sich weitgehend am steigenden Gewicht (->6+1 Regel) ablesen, die emotionale Gesundheit an Neugierde, Zufriedenheit nach dem Trinken und behaglichem Räkeln nach dem Schlaf. Das geistige Heranreifen ist weitaus schwieriger zu beurteilen, weil es eine Vielzahl von Entwicklungsschienen gibt. Von keiner könnte man sagen, dass es die einzig richtige oder gar die beste sei. Es führen eben in der Tat 1000 Wege nach Rom ....
Bedenkt man, dass neben den persönlichen Anlagen auch Einflüsse aus der Umwelt und Familie das Heranwachsen mit beeinflussen, dann wird verständlich, warum Kinderärzte mit Entwicklungsprognosen so vorsichtig sind. Man kann nie genau wissen wann ein Reifungsschub einsetzt. Manche Kinder lassen sich einfach nur Zeit, um dann plötzlich auf die „Überholspur“ zu wechseln. Es gibt z. B. Kinder, die mit 2 Jahren kaum sprechen (weil sie vielleicht zweisprachig erzogen werden) und kaum ein jahr später singen sie ganze Lieder. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es unmöglich ist vorherzusagen, zu welchem Zeitpunkt selbst relativ einfache Fähigkeiten wie z.B. Laufen vorhanden sein müssen. Vielmehr sind es Zeiträume, in denen Fortschritte vollzogen werden und bestimmte Leistungen auftauchen .
Leistungsvergleiche mit anderen Kindern oder Geschwistern sind verständlich jedoch wenig aussagefähig.
Trotz aller Unwägbarkeiten macht es aber Sinn, den Fortschritt der Kinder regelmässig zu überprüfen. Anschubhilfen sind nämlich dann besonders wirkungsvoll, wenn sie frühzeitig einsetzen. Um zu einer Einschätzung zu kommen, ob sich alles in tolerablen Bahnen bewegt, sind in der Vergangenheit verschiedene Testverfahren entwickelt worden. Sie berücksichtigen die sogenannten „Meilensteine“ der kindlichen Entwicklung. Darunter versteht man das Erreichen allgemeiner Fähigkeiten innerhalb gewisser Zeitabschnitte.
Lassen sie uns beispielhaft die großen Phasen des Laufenlernens herausgreifen.
U3 4 - 6 Woche Kann Kopf in schwebender Bauchlage balancieren
U4 4 Lebensmonat Kopfheben in Bauchlage, Kopf bewegt sich unabhängig vom Rumpf
U5 6 -7 Lebensmonat Verändert aktiv seine Position im Raum, beginnt zu rollen , robben, krabbeln
U6 10 - 12 Lebensmonat zieht sich hoch und hangelt sich an Möbeln entlang
Sie sehen, es geht nicht um krabbeln oder Vierfüßlerstand o.ä. per se, sondern im ersten Jahr ( bezogen auf die Motorik) um um einen Entwicklungsprozess der überschrieben werden könnte mit : Vom Liegen zum Stehen. Das Ziel ist eine effektive Raumeroberung (oder fachchinesisch Vertikalisierung). Sie sollten wissen, dass z..B 15% aller Kinder nie gekrabbelt haben bevor sie zeitgerecht laufen konnten. Man könnte das Erlernen von Laufen auch anders und weniger quantitativ formulieren: Laufen ist das Endziel sich mit zunehmendem Alter immer besser gegen die Schwerkraft zu behaupten! Oder noch anders :
Laufenlernen heißt zunächst mit jedem Monat höher hinauswollen.
Solange diese Tendenz anhält ist es ziemlich unwichtig, ob dieses Ziel mit 10 oder mit 14 Monaten erreicht wird.
Die Binsenweisheit, dass jedes Baby anders ist wird jedoch häufig vergesssen, wenn der „Unser-kann-schon“ Wettbewerb ausbricht.
„Langsam müßte er aber... in deinem Alter ....... „ ist ein anderer nicht selten zu hörender Satz, der meist direkt aus der besorgten Verwandschaft kommt und gerade deshalb viele Eltern verunsichert. Die Sorgen sind nachvollziehbar, nüchtern betrachtet aber in den seltensten Fällen zutreffend.
So wie jemand schnell lernt, könnte man auch entgegnen:Tut er es auch gründlich? Und das dauert bekanntlich seine Zeit.
Lernen mit allen Sinnen
Während im frühen Säuglingsalter vor allen Dingen der sog. Reflexstatus, die Mimik und spontane Bewegungen bei den so wichtigen Vorsorgeuntersuchungen begut-achtet werden,gewinnen beim älteren Säugling die Fragen nach der Weiterentwicklung von zielgerichteter Bewegungsfreude, Sprachentwickluung und Wahrnehmung zunehmend an Bedeutung (->ADHS). Die gesunde Reifung des Nervensystems ist zwar Voraussetzung für eine optimale Anwendung immer komplizierterer Reaktionsmuster und Fähigkeiten, aber auch die Umgebung spielt eine erheblich fördernde Rolle. “Jemandem etwas vor Augen zu führen“ oder „zu Gehör bringen“ also zuwendend etwas demonstrieren, ist im angemessenene Rahmen (!) unbestritten förderlich. Gleichzeitig hat der Begriff „Erfassen“ eine zentrale Bedeutung. Das Kind muß selbst etwas greifen können bevor es begreift. Greifen und Begreifen liegen also eng beieinander.
Die Meilensteine der Feinmotorik kann man wie folgt definieren.
U3 4 - 6 Woche Öffnen der gefausteten hand bei Berührung e. Gegenstandes
U4 4. Lebensmonat Gelegentliches nicht zufälliges Hinbewegen zum Gegenstand
U5 6 -7 Lebensmonat Greift scherenartig mit Daumen und übrigen Fingern
U6 10 - 12 Lebensmonat Greift Pinzettenartig findet Krümel und führt sie zum Mund
Um etwas zu greifen,muß der Säugling aber auch sehen und hören können
U3 4 - 6 Woche Reagiert auf Elternszuspruch,gelegentliches Lallen, hört Lautes
U4 4. Lebensmonat Bewegt d. Kopf zur Schallquelle, nimmt Kontakt in Babysprache auf
U5 6 -7 Lebensmonat Plappert,benutzt Stimme um auf sich aumerksam zu machen
U6 10 - 12 Lebensmonat Zunehmende Lautierung, Silbenketten, spricht vielleicht ein Wort
Die Spielsachen werden also zum Kennenlernen angefaßt, das Bauklötzchen wandert von einer Hand zur anderen, wird von allen Seiten betrachtet, untersucht, in den Mund gesteckt, kurz mit allen Sinnen erfaßt. Sehen, hören, riechen,fühlen und schmecken gehen quasi Hand in Hand. Das ungestörte Zusammenspiel aller Sinne im Einklang mit den motorischen Fähigkeiten ermöglicht es dem Baby im zweiten Lebenshalbjahr die Dinge zu katalogisieren und so eine wiedererkennbare Ordnung zu schaffen, kurzum : sich forschend in seiner größer werdenden Welt zurechtzufinden.