Ohrenschmerzen

Vorbemerkungen

Plötzlich auftretende Ohrenschmerzen sind nicht selten die Folge einer verstopften Nase (siehe Schnupfen) und praktisch nie gleichzusetzen mit akuten fieberhaften eitrigen Mittelohrentzündungen. Verabreichungen von Antibiotika sind in diesem Stadium daher praktisch nie angezeigt.

Es ist zunächst wichtig, durch Inhalationen (zunächst nur mit warmem Wasser) und anschließendem leichten Klopfen auf den Nasenrücken, ggf. durch (einmalige) Gabe von (homöopathischen) Nasentropfen die Nase raschl "frei" zu bekommen.

Entsprechend dem schmerzhaften Charakter von Ohrenschmerzen sind auch die anzuwendenden Homöopathika vom akuten Typ. Für das Ermitteln bleibt nicht viel Zeit ( Remidias family). Wenn nicht innerhalb von 20 Minuten Besserung eingetreten ist, wechseln sie das Mittel. Natürlich ist auch nichts einzuwenden gegen ein schmerzstillendes Zäpfchen.

 

Homöopathische Behandlung

 

Repertorisieren Sie zunächst mit REMIDIAS - Free oder REMIDIAS- FAMILY und vergleichen anschliessend die vorgeschlagenen Arzneien in absteigender Reihenfolge ( von ++ - > 0)  mit den unten näher erläuterten Arzneien.
Das erleichtert Ihnen bequem die sichere Vorauswahl.
Jedes Symptom von REMIDIAS wurde einzeln auf der Basis gesicherter und anerkannter Repertorien neu erstellt und sorgfältig mit einer Vielzahl bestehender homöopathischer Arzneimittellehren auf Zuverlässigkeit und Quellenlage gegengeprüft.

Achten Sie besonders auf verschlechternde Modalitäten oder verbessernde Modalitäten, also alles was ihr Kind tut oder möchte und wie es sich in dieser Situation verhält.  Es will nämlich nur Linderung (verbessernde Modalität) und unterlässt natürlich alles was die Beschwerden noch verschlechtert
. Lehnt es warme Umschläge ab, hält es sich das Ohr ? Welches? Hat es Durst, treten die Beschwerden plötzlich auf langsam im Rahmen eines Infektes? Neigt es zu Ohrenschmerzen? War es vielleicht kurz zuvor einem langen Ausflug deutlich Zugluft angesetzt  u.s. w.     

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Bessern sich die Beschwerden nicht schildern Sie Ihrem Homöopathen / Kinderarzt(in) Ihre Beobachtungen.


 

Hauptsymptomtabelle Ohrenschmerzen

Die folgenden zwei Tabellen zeigen die wichtigsten 10 homöopathischen Medikamente bei Ohrenschmerzen mit ihren  jeweils typischen Symptomen. Achten Sie besonders auf  die  Modalitäten unter Codebuchstabe "c"  also alles was ihr Kind tut damit es ihm besser geht und auf Geist Gemütszustände unter Code "d", also wie es sich unter den Ohrenschmerzen verhält : deutlich  weinerlicher, erheblich schmerzempfindlicher oder ungewohnt ängstlich etc . 

  Belladonna Pulsatilla Chamomilla Apis mellifica Hepar sulfuris
e Ursachen:
Anstrengung mit Hitze gefolgt von  Durch-nässung, Luftzug
Ursachen: überwärmte stickige Räume, nasse Füße
 nach Speiseeis

Ursachen:
Bei Zahnung
nach Zorn
,

kalte Luft

Ursachen:
nach Schreck, Verärgerung, Aufregung Echauffierung
Ursachen:
trockene Kälte, Luftzug,
Amalgamvergiftung
a   Ohr rot  heiß geschwollen,     Mittelohreiterung stinkend eitriger Ohrfluß
b plötzlich wehenartiger stechender Ohrschmerz rechts pulsierend stechender Ohrschmerz anfallsweise stechender Ohrenschmerz auf Seite der Wangenrötung durchzuckender stechender Ohrschmerz stechender Ohrschmerz
b zum Kopf schießendes plötzliches sehr hohes Fieber  begleitet von warmem „dampfendem“ Schweiß  und Halsschmerzen Wechselhaftes sich aufschaukendes Fieber durch stickige Wärme Rascher Wechsel von Frost und Hitze mit schweißiger Hitze am ganzen Körper; Kopfschweiß beim Trinken hohes Fieber mit starkem Frösteln einzelne Stellen heiß andere kalt mit wenig Schweiß   blasse unreine Haut, Frost und Fieber in raschem Wechseln mit käsig riechendem Nachtschweiß  
b zornrotes Gesicht  mit kalten Händen, brennender Halsschmerz und hochroter Scharlachrachen                     blaß-rotwangig verrotzt, Gelb laufende Nase        gelb laufendes Ohr eine Wange rot die   andere blaß  

stark gerötete oder glänzende Zunge geschwollenes Zäpfchen

vereiterte Mandeln Splitterschmerz im Hals nach warmen Trinken gebessert
b echte Otitis media Schwerhörigkeit echte Otitis media echte Otitis media    
d benommen erschöpft, aber abwehrend, versucht zu beißen          

weinerlich zaghafte  schnell wechselnde Stimmung

zornig erregbar schmerzempfindlich

unruhig, gellendes nächtliches Aufschreien "entflammbar“ reizbar  heftig, träumt und fasziniert von Feuer
d klopfender Stirn-Kopfschmerz bei Hitzefieber Kopfschmerz nach Speiseeisgenuß drückender  Scheitel kopfschmerz benebelnder Kopfschmerz bei Wärme   bohrender Stirn Kopfschmerz bei Kälte
d Furcht vor Hunden nächtlicher Dauerhusten Durchfallneigung   eitrige Hautausschläge
c will trotzdem  nicht trinken wegen Halsempfindlichkeit trotz  trockenem Hals   durstlos  bei Fieber durstig durstlos  bei Fieber, durstig bei Frost durstig
c Licht, Lärm stört stickige  Wärme   Wind Zimmerwärme  Luftzug
c Erschütterungen Ruhe Wärme Wärme aller Art trockene Kälte
c Berührungen sucht frische Luft Berührungen Berührungen Berührung
c eher warme Umschläge Kalte Umschläge Kalte Umschläge Liegen verschlechtert kalte Anwendungen  
c Ruhe Zuspruch /Trost bessert will getragen werden Kälte aller Art Wärme aller Art
c liegt  überstreckt im Bett Aufsetzen bessert Druck kaltes Waschen Bettwärme
c Bettdecke bis zum Kopf Entblößen Entblößen Frischluft feuchte Wärme
Legende

Bewegung: Verlangen/Verbesserung (Modalität)

im Liegen: Abneigung/Verschlechterung (Modalität)
kalt, kalt, kalt: hohe Bedeutung

kalt, kalt, kalt: sehr hohe Bedeutung

a=Hauptbeschwerde, b=Empfindungen, c= Modalitäten, d=Geist & Gemüt, e=Ursachen

 

  Ferrum phos Silicea Arsenicum alb Lachesis  muta   Mercurius sol
e Ursachen: erschöpfende Überanstrengung Ursachen:
n. frostigem Luftzug, Impfungen
Zahnung
unterdrückter Fußschweiß
  Ursachen:
Zorn, Schreck
Eifersucht,
langes Sonnenbad, heißes Wetter,
Zugluft
 
  Ohrmuschel  feuerrot heiss stinkender käsiger eitrig borkiger Ohrfluß
    Mittelohreiterung stinkend eitriger Ohrfluß
b       mäßiger eher linksseitiger Ohrschmerz beim Schlucken

ankriechend

bohrend stechend, Ohrenschmerz nachts

e   wiederholt   chronisch     wiederholt
b blaß mit wellenförmigen rötlichen Hitzewallungen Fieber mit Frösteln begleitet von Nachtschweiß brennendes glühend  hohes Fieber mit starkem inneren Frostgefühl sich über Nacht rasch entwickelndes Fieber begleitet von Halsweh und Schluckschmerzen unruhig, blaß, begleitet von schubweisem Fieber mit  starkem Nachtschweiß
b   vereiterte  Mandeln Halsschmerz nach kaltem Trinken   brennender Halsschmerz nach warmen Trinken gebessert rot bläuliche eher linksseitige Mandelentzündung vereiterte  Mandeln begleitet von stechendem wunden Schluckschmerz
b   Schwerhörigkeit     Schwerhörigkeit
           
d Nervös ängstlich  leichtes Erbrechen Druchfallneigung eher blaß zart dünn aber stur, defensiv, starker Fußschweiß unruhig   ängstlich frostig mit Anhänglichkeit Eifersucht         zunehmende Nachtunruhe Übelkeit bis Erbrechen unzufrieden - fröstelnde "quecksibrige" Kinder
d   Scheitelkopfschmerz Kopfschmerz nach Autofahren Stirn Kopfschmerz Kopfschmerz nach dem Schlaf in Stirn oder Hinterkopf    
d Nasenbluten Ohrenbohren sofortiges Erbrechen nach kaltem Trinken Bauchempfindlichkeit keine Decke wundmachender Speichelfluß
c ohne auffälligen Durst Durst starker Durst aber nur in kleinen Schlucken Durst mit Schluckschmerzen Durst
c zweite Nachthälfte Kälte allein sein Halsberührung Kälte,  Luftzug
c heftige Bewegung Entblößen nasse  Kälte morgens nach Schlaf Temperaturextreme
c Berührungen Nach Impfungen Angst  nach Mitternacht Sonnenhitze Bettwärme
c     Anstrengung Wind  
c Kalte Umschläge Warme Kopfumschläge   Wärme aller Art   Kalte Getränke
c Ruhe Bettwärme Bettwärme Kalte Getränke  
c Sanftes Schaukeln   Einhüllen des Kopfes Frischluft    
Legende

Bewegung: Verlangen/Verbesserung (Modalität)

im Liegen: Abneigung/Verschlechterung (Modalität)
kalt, kalt, kalt: hohe Bedeutung

kalt, kalt, kalt: sehr hohe Bedeutung

a=Hauptbeschwerde, b=Empfindungen, c= Modalitäten, d=Geist & Gemüt, e=Ursachen

Weitere Medikamente bei Ohrenschmerzen

Hier werden weitere Arzneien mit ihren typischen Symptomen bzw. Charakteristika kurz aufgelistet.

Drosera (Sonnentau)

Leitidee: heftig  trockener Anfallshusten direkt nach dem Hinlegen

Drosera ist eines der wichtigsten homöopathischen Keuchhustenarzneien. Der Sonnentau wird eingesetzt bei trockenem anfallsweise auftretenden nächtlichen Husten, der sich unmittelbar nach dem Hinlegen verstärkt (Sil, Con). Die Patienten verspüren  eventuell ein Fremdkörpergefühl, im Hals kitzelt es, sie tendieren zum Niesen und zur Heiserkeit. Der Hals fühlt sich trocken und eng an, das Atmen fällt schwer und wird immer wieder von Hustenattacken gestört. Druck gegen die schmerzende Brust lindert ein wenig (Bry). Nasenbluten (bei Waschen des Gesichts). Der Drosera Husten kann begleitet sein von immer wieder auftretendem eher stechend kneifenden Ohrenschmerzen (Cham, Puls, Merc, Caust, Bell, Dulc, Nux.v). Gelegentlich findet sich ein Schulterzucken. Besser geht es den Patienten bei Bewegung; Liegen und Bettwärme verschlechtern.

 

Dulcamara (Bittersüss)

Leitidee: Wetterwechsel zum Kalten hin

Dulcamara Patienten sind in der Regel  voller Tatendrang, wirken hastig  und nicht selten ruhelos und übereilt. Sie konnen im Wechsel zornig sein und direkt wieder liebevoll, kurzum sie verlangen nach Abwechslung. Still sein ist nicht ihre Sache. Wetterwechsel hingegen bekommen ihnen schlecht. Im Frühjahr besonders aber zum Winter hin und  / oder  Abkühlung ( in  kalter nasser Luft)  leiden sie unter Erkältungen mit begleitenden stechenden nächtlichen Ohrenschmerzen. Die Kinder wollen nicht liegenbleiben, sondern aufstehen,  weil im Gegensatz zu Bell Bewegung, Gehen und Aktivität etc. bessert (Apis). Kühle Umschläge oder kalte Speisen lehnen sie aber ab. Das Verlangen nach Wärme unterscheidet sie von Pulsatilla, das Verlangen nach Bewegung (überhaupt nach Aktivität) von kranken Belladonna Kindern.
 

Capsicum (spanischer Pfeffer)

Leitidee: Eiter im Mittelohr und drohende Knocheneiterung des Felsenbeins

Das typische Capsicum Symptom am Ohr ist der Schmerz hinter dem Ohr und am/ im Felsenbein (~ Mastoiditis, Fl.ac, Sil). Cayenne Pfeffer führt in homöopathischen Dosen zu einem roten, wunden schmerzenden Hals. Die Kinder räuspern sich viel und haben Halsschmerzen wenn sie nicht (!) schlucken (~ in Bewegung bleiben). Das Thema der (Nicht)-Bewegung ist beim spanischen Pfeffer auch sonst reichlich vertreten. Das Medikament ist geeignet für Kinder, die wenig Reaktion zeigen, die eher träge sind, die Patienten werden allerdings bei Erregung (z.B. durch Widerspruch) sehr schnell hitzig. Sie bekommen Fieber und rote Wangen. Meistens sind sie jedoch träge, haben kraftlose Muskeln oder äussern ein "schlaffes Gefühl" - sie besitzen aber ein überempfindliches Gehör (Graph). Sie mögen keine Lageveränderung, keinen Ortswechsel (Heimweh), die Beschwerden verschlechtern sich zu Beginn der Bewegung, die Ohren schmerzen beim Husten (aber grundsätzlich verbessert "Schwung"). Im Rahmen von Infekten kommt es  zu zähen Absonderungen aus der Nase oder das Sekret läuft nach hinten in den Rachen (~ ständiges Räuspern). Trinken von Wasser ruft Magenkälte und  Schauder hervor.

 

Lac caninum (Rottweilermilch)

Leitidee: weisse diptherische Mandelentzündeungen, wechselt den Ort

Fließschnupfen mit Seitenwechsel, wunden Nasenlöchern sowie grünen Absonderungen (Merc, Lyc, Hep.s, Puls, Lach) aus dem Ohr. Kennzeichnend sind ebenfalls seitenwechselnde Ohrenschmerzen sowie schnupfenbegleitende Mandelentzündungen mit großen weißen glänzenden (~ glasierten) Belägen (Diptheriebeläge). Die vergrößerten Mandeln  führen zu erheblichen Halsschmerzen insbesondere beim Schlucken von Speisen. Kalte Getränke hingegen bessern. Ein Klumpengefühl (~  Fremdkörpergefühl, Arg.n, Sil, Alum, Nat.m, Bar.c, Nux.v, Ign) im Hals verführt zu ständigen Schluck- oder Räusperzwang (Lach), begleitet von Würgen und Zusammenschnürungsgefühl des Halses besonders beim Einschlafen. Die stechenden Halsschmerzen beim Schucken oder Gähnen strahlen ins Ohr aus (Phyt, Nit.ac, Hep.s, Nux.v, Ign, Sulf, Caps).
 

Fluoricum acidum (Flusssäure) 

Leitidee: heiß und ätzend 

Reichlich dünn wäßrige wundmachende Absonderungen aus der Nase (All.c, Ars, Squill, Nit.ac, Kali.i, Nat.m, Nat.ar) sowie geschwürige Halsentzündungen und "ätzende" Absonderungen aus den Ohren. Es besteht Bewegungsdrang mit Verlangen nach Frische (freie Luft, frische Speisen) und Abneigung gegen Wärme, insbesondere Einhüllen, Bettwärme oder Kleidungswärme. Absonderungen wie Schweiß, Flatus oder eben ständiges heisses Naselaufen bessern im Prinzip. Ein typisches Zeichen ist Haarausfall an kleinenn Stellen (Nat.m, Phos, Apis, Graph, Ars, Calc, Hep.s).
 

Sulfur (sublimierter Schwefel)