Säuglingskoliken
Vorbemerkungen
Eines der beherrschenden Dinge während der ersten Monate außerhalb des Mutterleibes ist das Wachstum. Nie wieder in seinem Leben verdoppelt der Mensch sein Gewicht in 4 - 5 Monaten, nie wieder trinkt täglich 1/5 -1/6 seines Gesamtgewichtes. Wollte er das tun müsste ein Erwachsener jeden Tag unvorstellbare 8 - 10 Liter Milch trinken. Genau diese Leistung aber vollbringt jedes Baby! Es ist deutlich, dass Spucken, gelegentliche Milchpausen und Magen-Darmzeichen nicht ausbleiben können. Bisweilen verlaufen sie so heftig, dass man sie als Koliken oder Blähungen bezeichnet. Damit ist gemeint, dass Babies mit der Verdauung momentane Schwierigkeiten haben.
Beobachtet man viele Babies, so erkennt man, dass sie mit diesem Problem unterschiedlich umgehen: Der eine überstreckt sich wütend, der nächste zieht die Beine an, wieder andere erleichtern sich durch heftiges Pupsen, während der nächste sich nur durch Herumtragen beruhigen läßt.
Stetige Unruhe bei Kindern zeigt immer an, dass irgendetwas nicht stimmig ist. Umgekehrt bedeutet Stimmigkeit also auch immer „still sein“. Die tiefere Bedeutung des Stillens liegt also in der Schaffung von Stimmigkeit. Das Geben der Brust ist ein wichtiger, aber eben nur ein Teilaspekt des Stillens. Stimmigkeit ist von vielen inneren und äußeren Größen abhängig. Die äusseren Einflüsse wie Ruhe, sich Zeitnehmen und Ernährung werden häufig diskutiert und in der Regel auch eingehalten. Mit der inneren Ruhe und Gelassenheit ist das so eine Sache. Kein Mensch kann immer und ewig aus seiner Haut...
Das bedeutet aber auch: Jedes Baby hat von Anfang an sein Eigenleben, sein - und nur sein ureigenstes -Temperament, seine Vorlieben und Abneigungen. Der eine kann nicht genug Kontakt bekommen, der nächste hat eine langsame Verdauung und wieder anderen wird es schnell zu hektisch. Es gibt sogar Babies die nicht gestillt werden wollen. Bedenkt man, dass bei ihnen nahezu alles über den Magen läuft und daher auch vieles „auf den Magen schlägt“, nimmt es nicht wunder, wenn sie mit ihrer Verdauung zu Beginn ihres Lebens gelegentlich an die Grenze des Verträglichen stossen.
Dann rumort es im Darm. Glücklicherweise kann man in vielen Fällen helfen. Nicht selten ist bereits das Wissen um die weitgehende Normalität dieser anfänglichen Schwierigkeiten ein Schlüssel zur Besserung: Ist das Baby still, hat es keinen Hunger!
Ist das Baby unruhig, dann fordert es sie auf, dafür zu sorgen, dass wieder Stimmigkeit eintritt. Sie wissen jetzt bereits, dass das nicht notwendigerweise mit Hunger nach Kalorien zu tun hat, sondern lediglich eine klare Anweisung beinhaltet, überhaupt irgendetwas zu unternehmen: Zuwendung, Windelwechsel, Herumtragen. Ihr Baby wird sofort still wenn sie seinen momentanen "wunden Punkt" getroffen haben: Eine klare und eindeutige Sprache. Braucht ihr Baby mehr Unterstützung, weil es zunehmend häufiger, intensiver oder beschwerlicher mit der Stimmigkeit im Darm zu kämpfen hat, dann helfen sowohl Entspannungstechniken, pflanzliche Mittel, die Akupunktur und Homöopathika weiter.
Sollte allerdings - in extrem seltenen Fällen - mehrfaches Erbrechen (kein Spucken), Gewichtsabnahme oder wimmerndes Schreien auftreten, dann ist eine kinderärztliche Untersuchung dringend angeraten.
Apropos Akupunkur: Versuchen sie bei ihrem Säugling einmal folgende Akupressur: Legen sie beide Mittelfinger bei dem vor ihnen liegenden Baby etwas oberhalb und hinter die Innenseite der Fußknöchel. Dann „fällt“ der Daumen praktisch von selbst auf eine Stelle unterhalb und vor dem Wadenbeinköpfchen. Sie müssen das Gefühl haben, die Finger liegen stabil und „richtig“. Dann massieren sie sanft die beiden Daumendruckpunkte. Mit etwas Glück und Übung wird das Baby (wenn es nicht hungrig ist oder extrem aufgeregt) nahezu schlagartig ruhig und entspannt werden.
Das ist kein Zufall: mit Mittelfinger und Daumen haben Sie zwei wichtige Akupunkturpunkte angeregt (Magen 36 und Milz-Pankreas 6). Insbesondere Magen 36 ist ein (oder gar der) entscheidende Harmonisierungspunkt für das Baby.
Pflanzliche Medikamente
Hauptmittel ist Anthemis nobilis (Kamille), wirkt ausgleichend, beruhigend.
Mischungstee aus
Zingiber officinalis (Zimt) wärmt den Bauch, läßt weniger anspannen (wie ein warmes Bad)
Anethum graveolens (Dill) wärmt den Bauch und regt die Peristaltik an
Eugenia Carophyllata (Gewürznelke) wärmt den Bauch und zerstreut fliegende Hitze
Carum carvi (Kümmel) hilft bei Krämpfen begeleitet von viel Darmwinden
haben sich bewährt.
Andere Zusammenstellungen sind wie folgt möglich:
| Magenhilfe (bei viel spucken, Aufstoßen) |
Antispastisch (bei viel Krämpfe) |
Leberkongestion (z. B. nach abgelaufener Gelbsucht ) |
| Acorus calamus | Anethum graveolens | Leptandra (Stagnation) |
| Humulus | Dioscorea villosa | Paeonia |
| Berberis vulgaris | Melissa officinalis | Berberis vulgaris |
| Gentia lutea | Chamomilla | Gentiana lutea |
| Pimpinella | Pneumus boldo | Berberis aquifolium |
Je nach vorherrschendem Problem können weitere Kräuter eingesetzt werden:
Humulus (Hopfen) wirkt stuhlanregend und beruhigend, schlaffördernd
Pimpinella (Pimpinelle) wirkt gegen Koliken, Enddarmverstopfung und viel Flatulenz
Dioscorea (Yamswurzel) wirkt gegen Winde uund Krämpfe der Muskulatur mit Überstreckung
Acorus calamus (Kalmus) Magenmittel bei Appetitstörungen, regt Gallefluß an
Chamomilla (Mutterkraut) wirkt gegen Krämpfe aller Art, bei Unruhe und Schmerz
Melissa offic (Zitronenmelisse) verhindert (auch bei Schwangeren) krampfartiges Erbrechen
Gentiana lutea (Enzian) aktiviert den trägen Magen und lindert Darmkrämpfe
Zubereitung: Aufbrühen des Tees als Einzelmittel oder Mischung (insgesamt ca. 1Teelöffel auf eine Tasse kochenden Wassers), kurz ziehen lassen, so dass der Tee nur schwache Farbe bekommt, dann mit Fenchelhonig süßen und davon 1 Teelöffel mit ca. 20 ml warmem Wasser in eine Flasche geben. Die stillende Mutter kann den Tee auch selber unverdünnt trinken.
Homöopathische Behandlung
Repertorisieren Sie zunächst mit REMIDIAS - Free oder REMIDIAS- FAMILY und vergleichen anschliessend die vorgeschlagenen Arzneien in absteigender Reihenfolge ( von ++ - > 0 ) mit den unten näher erläuterten Arzneien. Das erleichtert Ihnen die sichere Vorauswahl.
Achten Sie besonders auf verschlechternde Modalitäten oder verbessernde Modalitäten sowie auf momentan beobachtbare akute Geist- Gemütszustände, also alles was ihr Kind tut oder möchte und wie es sich unmittelbar in dieser Situation verhält. Es will nämlich nur Linderung (verbessernde Modalität) und unterlässt natürlich alles was die Beschwerden noch verschlechtert. Vielleicht will es warmes Trinken oder lehnt das Liegen auf der schmerzhaften Seite ab, vielleicht krümmt es sich bei Blähungen dauernd oder sie stellen überrascht fest, dass ein warme Fönluft die Beschwerden lindert ....
Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich für den besten Materia medica Abgleich.
Bauchschmerzen bei Säuglingen können sich natürlich auch in Durchfall, Verstopfung, schwierigem Stuhlgang oder statt am Darmausgang quasi am Gegenpol dem Mageneingang als vermehrtes Erbrechen, durch regelmässig schmerzhaftes Aufstossen oder andere "Bockigkeiten" der Darmbewegung und/ oder Verdauung bemerkbar machen. Lesen Sie bei Bedarf also auch die Ausführungen über weitere Symptome die sie aktuell bei ihrem Kinde beobachten können.

Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 12-24 Stunden schildern Sie Ihrem Homöopathen / Kinderarzt(in) Ihre Beobachtungen.
Homöopathische Medikamente gegen Blähungen
Colocynthis (Koloquinte)
Plötzlicher heftiger "Tumult" im Darm nach Erregung oder Zorn der stillenden Mutter (Nux.v, Cham, Mag.p). Das Baby erbricht heftig oder / und krümmt sich in alle Richtungen zusammen als hätte es plötzlich zuviel Kaltes getrunken. Tatsächlich bekommen die Säuglinge Magenschmerzen direkt nach (zu kalten) Trinken. Manchmal sind die Nabelkoliken begleitet von heftigen spundartigen Durchfällen (Podo, Arg.n, Crot.t, Nat.s, Gamb). Ältere Patienten klagen über einen krampfartigen, kneifenden oder schneidenden (!) Schmerz um den Nabel herum (Cham, Lyc, Nux.v, Mag.c, Mag.m, Mag.p, Nat.s, Cupr, Ign, Staph, Aloe, Dios,Bry, Ip, Bell, Caps). Harter Druck (~ Fliegergriff) und Wärme bessern die Bauchschmerzen (~ Meister Böck Effekt). Mit diesen Modalitäten gleicht die Koloquinte deutlich Magnesium phosphoricum (und Podo, Puls, Sep). Kaffeegenuss der stillenden Mutter (?) scheint die Bauchschmerzen zu bessern, während Kaffee bei Nux.v. eine Zunahme der Blähungen beim Säugling verursacht.
Magnesium phosphoricum
Magesiumphosphat gilt als das mineralische Analogum zur Koloquinte.Kinder, die dieses Medikament benötigen, bekommen plötzliche überfallartige heftige Koliken ähnlich wie bei Colocynthis. Sie werden gelegentlich begleitet von Zahnungproblemen. Die leicht zornigen (~ entflammbaren) Kinder (Cham, Cina, Nux.v) krümmen sich bei den blitzartigen einschießenden Schmerzen wie ein Klappmesser zusammen. Die Modalitäten sind denen der Koloquinte sehr ähnlich: Kalte Luft, Luftzug oder kalter Wind sind den Kindern ebenso ein Greuel wie zu kaltes Baden oder aufdecken (z. B. nach dem Baden). Es geht ihnen aber fast schlagartig besser bei "anwehen" mit dem handwarmem Fön sowie durch festen Druck (~ Fliegergriff). Das Verlangen nach Wärme ist bei Mag.p noch deutlicher ausgeprägt als bei der Koloquinte, eine Besserung durch Druck ist eher bei der Koloquinte zu beobachten.
Cuprum metallicum (metallisches Kupfer)
Anfallsweise auftretender krampfartiger Bauchschmerz (Colozynthis, Magnesium phosphoricum, Chamomilla, Lycopodium, Nux vomica, Arg.nitricum, Staphysagria ...), der nicht selten beim Trinken beginnt. Das Berühren des Bauches verschlechtert bereits weil die Muskeln schmerzhaft gespannt sind, gelegentlich kommt es zu begleitendem heftigem ebenfalls krampfartigem Erbrechen. Manchmal hat das Kind Schwierigkieten mit dem Schlucken. Besonders auffällig ist ein lautes Gluckern in der Speiseröhre, wenn die Milch herunterrinnt. Die Muskeln sind gespannt und der kleine Patient ballt dabei ständig die Fäuste, weil die Krämpfe auch Finger, Hand und Fussssmuskeln mit einbeziehen. Beim heftigen Schmerzschreien verfarbt sich das Gesicht gelegentlich blaurot . Der Säugling kann sich besser entspannen nach dem Trinken. Er produziert relativ wenig Darmwinde. Wie bei der Koloquinte bessern sich die Beschwerden durch Druck verschlechtern sich aber durch Wärme und Hitze.
Carbo vegetabilis (Holzkohle)
Holzkohle ist anzegeiz wenn eine "erstickende" Verdauungsstörung mit langsam nachlassender Vitalkraft wie unter Sauerstoffabschluss beobachtet werden kann. Die Patienten sammeln infolge Gärung große Luftmengen im Darm an, der Bauch ist massiv gebläht (Calc, Lyc, Sil, Arg.n, Cham, Sulf, Phos, Chin, Graph, Nux.v,...). Die Kinder müssen nach dem Essen stark aufstossen, manchmal kommt es dabei zu saurm Erbrechen. Im Bauch rumort es hörbar. Der Patienten überstrecken sich. Den Säuglingen geht es deutlich besser nach heftigem Blähungsabgang (Lyc, Sulf, Nat.s, Caust, Ars...). Die Blähungen sind stinkend, faulig riechend (Nux.v, Lyc ) und heiss. Die innere Hitze (vgl. Holzkohle!) löst Verlangen nach Sauerstoff aus. Der Patient möchte sich zufächeln lassen, will Frischluft oder bläst sich mit einem kaltem Fön an.
Lycopodium (Schlangenmoos, Bärlapp)
Lycopodium Säuglinge tendieren zum Stirnrunzeln, was sie manchmal wie alte Männer aussehen lässt. Sie tendieren (wie Nux.v Kinder) zu einer verstopften Nase, Magenschmerzen und einem empfindlichen Darm, allerdings mit massiven Blähungen infolge Windeinklemmung. Bereits kurz nach dem Trinken ist der Bauch deutlich geschwollen (Carb.v). Magenschmerzen zwingen den kleinen Patienten zu einer Beugehaltung und eingeklemmte Blähungen (Cham, Senn, Carb.v, Arg.n, Bry, Chin, Raph) erzwingen ein Überstrecken. Es gibt viel Glucksen und Rumpeln im Bauch. Natürlich sind die Säuglinge unzufrieden, winden, krümmen oder strecken sich, ohne das Problem allerdings je ganz los zu werden. Nachmittags zwischen 16 und 20 Uhr ist es besonders schlimm. Die Luft kann (ebenso wie der Stuhl) nur schwer entweichen. Der ganze Verdauungsprozess wirkt unvollständig: Sie bauern halbherzig, der Stuhl ist erst hart und dann weicher, und selbst nach dem Stuhlgang oder dem Blähungsabgang hat man den Eindruck, sie seien "nie richtig fertig". Indes: Bauern, der Stuhl- und Windabgang erleichtern deutlich. Sie ertragen wie Nux.v keinen Bauchdruck (Windeln verschlechtert) schlafen aber gern im Gegensatz zu Nux.v, mit dem "Po nach oben". Lycopodium Kinder hatten nicht selten nach der Geburt eine verlängerte Gelbsucht und manchmal weinen sie vor dem Urinieren (Nierenprobleme?). Gelegentlich findet man roten Harngries der wie Blut aussieht in der Windel (Ziegelmehlsediment). Lycopodium Kinder lieben eher warme als zu kalte Getränke (Calc.p, Colo, Mag.p). Stillende Mütter sollten (blähende) Kohlspeisen, Zwiebeln und Muscheln meiden. Auch die älteren Kinder lehnen blähendes Kohlgemüse, Hülsenfrüchte (i. bes. Erbsen und Bohnen) ab. Sie lieben hingegen Oliven, verlangen nach Süssigkeiten, vertragen aber Schokolade schlecht.
Nux vomica (Brechnuss)
Reizbare Kinder mit heftigem Schluckauf, ständiger Übelkeit, Sodbrennen, saurem Aufstossen sowie relativ schnellem Erbrechen nach dem (hastigen) Trinken. Während Lycopodium eine Tendenz zur Verstopfung und eingeklemmten Blähungen aufweist, zeigen Nux.v Säuglinge eher einen Wechsel von Durchfall mit Verstopfung. Die übertriebene (rückläufige) Darmperistaltik führt allerdings auch nicht selten zu vergeblichem Pressen zum Stuhlgang begleitet von heftigem krampfartigen Bauchschmerz. Der Bauchschmerz bessert sich durch warme Anwendungen (Mag.p, Colo, Ars, Cham, Sil, Rhus.t). Die Kinder mögen es nicht kalt. Entblössen und frische Luft führt gelegentlich zu Schaudern, am liebsten ist ihnen ein warmes Bett, warmes Einhüllen oder ein milder warmer Wind. Man muss auch an das Medikament denken, wenn in der Schwangerschaft und / oder Entbindung grosser Medikamentenverbrauch notwendig war. Wie bei Lycopodium stört eine enge Bekleidung (z. B. Wickel, vgl. Lach, Lyc, Carb.v, Calc, Chin, Nat.s, Cupr, Lyss ...).
Natrium sulfuricum (Glaubersalz)
Glaubersalz ist eingentliche Arznei bei Problemen mit Leber oder Gallestörungen (Nux.v, Podo, Lyc, Bry, Nit.ac, Merc) und als sehr wirksames Abführmittel bekannt. Die Schwierigkeiten beginnen möglicherweise schon in der Schwangerschaft mit Verdauungsstörungen wie Aufstossen, bitterem morgendlichen Galleerbrechen, galligem Durchfall und/ oder erheblichen Blähungsbeschwerden, auch ein Schwangerschaftsdiabetes ist nicht selten. Die Verdauung von (saftigem) Obst ist gestört. Kinder die dieses Mittel bei Blähungskoliken benötigen haben in der Vorgeschichte gelegentlich Kopfverletzungen, z. b. Geburtsschwierigkeiten mit Zangengeburt oder schwieriger Kopfentwicklung. Die Säuglinge vertragen überhaupt keine Nässe, weder am Körper noch in athmospärischer Umgebung. So verschlechtern sich ihre Beschwerden bereits in feuchter Nachtluft, bei Nebel, beim Baden oder sogar wenn die stillende Mutter saftiges Obst verzehrt hat . Auch Milch scheint Blähungen zu verursachen (Aeth, Mag.c), Lautes Pupsen während des Stuhlgang, ein spritzender Stuhl (Podo, Crot.t, Verat, Ars, Dulc, Aloe,Gamb, Sec.c, ), manchmal galliges Erbrechen. Nach dem Stuhlgang (Nux.v, Colo) oder dem heftigen Blähungsabgang (Lyc, Carb.v) ist alles besser.
Senna (Sennesblätter)
Krampfartiger Bauchschmerz mit Überstrecken wegen eingeklemmter Winde (Lyc, Cham, Carb.v, Arg.n, Bry, Chin, Raph ) schmerzhafte Flatulenz bei azetonämischem Mundgeruch. Azeton entsteht als Endprodukt beim Abbau von Körperfett, also bei Hunger oder ungenügender Kohlenhydratzufuhr. Folglich besteht praktisch immer teilweiser oder vollständiger Appetitverlust . Vermehrt zirkulierendes Azeton erzeugt eine Reizung der Darmschleimhaut mit Übelkeit, Magenflauheit (Erbrechen) und flatulentem Stuhl. Gelegentlich ist auch der Stuhl "eingeklemmt", es kommt zur Verstopfung mit hartem, dunklen gelegentlich sogar blutigen Stuhl. Die Kinder sind unruhig, schreien viel und wälzen sich schlaflos hin und her (Jalapa).
Pulsatilla (Küchenschelle)
Pulsatilla Patienten sind meist sanft, milde bis hin zur nachgiebigen Schüchternheit. oder und geht es schlechter gegen Abend. Nächtliches fauliges Aufstossen (Carb.v, Hep.s, Lyc, Sulf, Cham, Chin) begleitet von „Hochsteigen“ der Speisen mit Brechneigung, wechselhaftes Trinken und ausgesprochen launisches Verhalten in bezug auf Verlangen und Abneigungen. Relativ schnell nach dem Trinken setzt meistens Stuhldrang ein, den Kindern geht es nach Spucken oder Erbrechen besser, gleichsam als ob sie sich dauernd zuviel "einverleiben" würden. Dennoch: Die Laune, der Appetit sogar die Stühle sind immer verschieden. Alles am Kind erscheint wechselhaft wie eine "Blume im Wind". Ebenso schnell wie die Stimmung wechseln Schmerzen und wandern von einem Körperteil zum anderen. Sie nehmen im Liegen zu, Bewegung und Herumtragen mit Zuwendung und tröstenden Worten bessert. Die Kinder können gar nicht genug Zärtlichkeiten bekommen ( da sind sie sehr hartnäckig), sie verlangen nach Mitgefühl und wollen nie allein sein. Pulsatilla erträgt kein stickige Wärme, sondern liebt Entblössen oder frische Luft. Pulsatilla ist auch indiziert nachdem stillende Mütter üppige oder kalorisch schwere Nahrung zu sich genommen haben, und daraufhin der Säugling Blähungen entwickelt. Bei Jugendliche wechselt die Stimmung "wie das Wetter im April" zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt (Ign) ohne dass man herausfindet warum. Die Kuchenschelle ist das wohl weinerlichste Medikament in der Materia medica.
Ipecaquana (Brechwurzel)
Das Medikament zeigt ständige Übelkeit (Nux.v, Puls, Cham, Bell, Acon ...) und Würgen bis zum Erbrechen (Carb.v, Kali.c, Puls, Lyc, Nux.v, Ambr). Trotzdem bessert sich der Zustand seltsamerweise auch nach Erbrechen nicht (im Gegensatzu zur Küchenschelle) , weil das Kind grundsätzliche Verdauungsstörungen (manchmal aufgrund von Verdruss der Mutter?) begleitet von krampfartigen schneidenden Bauchschmerzen hat. Diese stechenden Bauchschmerzen werden besonders in der Nabelgegend (Colo, Mag.p) empfunden. Die kleinen Patienten verlangen nach Ruhe, weil jede Bewegung den Bauchschmerz verschlechert. Die ständige Übelkeit erzeugt wohl auch Ekel beim Anblick von Speisen, weil doch prompt das Erbrechen nach dem Essen folgt.
Magnesium carbonicum (Magnesiumcarbonat)
Leitidee: schlapp, schlafgestört, "sauer" auf allen Ebenen bis zum sauer schaumigen Stuhl
Kinder, die dieses Arznei benötigen sind schnell gereizt (Cham, Calc, Staph, Sil, Chin) insbesondere wenn sie allein sind.Die Schwierigkeiten beginnen nach dem Trinken mit Sodbrennen und saurem Aufstossen. Ebenso wie sie psychisch schnell "angesäuert reagieren" sind auch auf der körperlichen Ebene die Absonderungen sauer. DIe Kinder zeigen schneidende krampfartigen Blähungen nach dem Essen, tendieren zu sauer riechenden Blähungsabgängen (Rheum, Merc, Calc, Sulf, Colo Cham, Phos, Ars.a,Nux.v). Die sauren Stühle verursachen Schmerzen und sind begleitet von heftigen Schreien vor dem Stuhlgang. Kinder die dieses Arznei benötigen haben oft einen froschlaichartigen schaumigen Stuhl (Merc). Insbesondere abends und nachts verschlechtern sich die Blähungen. Die Kinder vertragen keine Kälte, dennoch geht es ihnen im Freien besser. Diese Kombination ist allerdings bei vielen Arzneien zu beobachten, die gegen Blähungen eingsetzt werden (Puls, Sulf, Mag.m, Mag.p, Acon, Ip, Lyc, Nux.v, Carb.v, Colo, e.a.). Sie sauren Absonderungen (selbst der Schweiß riecht sauer), die schaumigen Stühle , Windelreizungen bei reizbaren, schlafgestörten Kindern sowie eine gewisse Unverträglichkeit gegen Milch (unverdaute Stühle) lassen diese Arznei wahrscheinlicher werden.