Verstopfung

Vorbemerkungen

Wie bei allen längerfristig bestehenden Beschwerden muss auch bei Verstopfungneigung  nach einer Ursache gefahndet werden. in den seltensten Fällen liegt jedoch bei Kindern eine organische Ursache  wie Hämorrhoiden, chronisch entzündliche Darmkrankheiten oder eine mechanische Verlegung zugrunde. Längergehende Verstopfung ohne weitere Begleitzeichen wie Erbrechen oder zunehmende Bauchschmerzen sind in der Regel "funktionell" bdingt, das heisst sie haben keine organische Ursache. Eine der häufigsten Formen von Verstopfung beim selbstständig werdenden Kleinkind sind psychosomatische Ursachen. Gerade die Stuhlausscheidung, das "machen", hat eben genau damit zu tun:  Macht und Einfluss über sich und den eigenen Körper gewonnen zu haben  Die Fähigkeit zur körperlichen Ausscheidungskontrolle ist beim Kleinkind ein grosses Spielfeld und wird nicht selten einsestzt wenn es um  Konflikte, Herausforderungen und um Macht und Einfluss geht. Aber gerade weil es natürlich auch andere Ursachen gibt  muss vor einer solchen psychosomatischen Bewertung die körperliche Untersuchung eine organische Ursache ausschliessen.

Grundsätzlich kann man bei Verstopfung zur Flüssigkeitszufuhr ermuntern. Wasser wird im Dickdarm aufgenommen und eine zu geringe Flüssugkeitszuführ dickt den Stuhl ein, der dann nur noch unter Schmerzen abgesetzt werden kann.
Die Darmaktivität kann durch Zugabe eines Löffels Feigen- oder Pflaumensaftes / Tag angeregt werden. Eine Verbesserung oder Sanierung der Darmflora ( z.B. nach antibiotischer Behandlung) unterstützt eine gesunde Ausscheidung.
Unterstützung helfen können auch sanfte Bauchmassagen ( wenn das Kind es zulässt) oder gelegentlich entspannende Bäder.
Gabe von Milchzucker führt regelhaft zu keinem Effekt, weil er bereits als Zucker im Dünndarm aufgenommen wird bevor es zur  Zuckergärung im Dickdam kommt. 

Homöopathische Behandlung

Repertorisieren Sie zunächst mit REMIDIAS - Free oder REMIDIAS- FAMILY und vergleichen anschliessend die vorgeschlagenen Arzneien in absteigender Reihenfolge ( von ++ - > 0 ) mit den unten näher erläuterten Arzneien. 

Achten Sie besonders auf verschlechternde Modalitäten oder verbessernde Modalitäten sowie auf akute Begleitzeichen, also alles was ihr Kind tut oder möchte und wie es sich unmittelbar in dieser Situation verhält, und welche Beobachtungen Sie "rund um die Verstopfung" noch treffen können. Gehen Sie die Liste der vorgeschlagenen REMIDIAS Symptome einfach sorgfältig durch

Im Zweifelsfall entscheiden  Sie sich für den besten Materia medica Abgleich.

Bessern sich die Beschwerden nicht schildern Sie Ihrem Homöopathen / Kinderarzt(in) Ihre Beobachtungen. 



Homöopathische Verstopfungsarzneien im Kindesalter
 

Nux  vomica (Brechnuss)

Leitidee: "es zwingen wollen", "arbeitsintensiver", zum Teil vergeblicher Stuhldrang

Schwieriger Stuhlgang bereits bei Säuglingen und Neugeborenen (Op, Sulf, Zink, Alum, Calc, Lyc, Podo, Bry, Sil, Med) . Die nervös reizbaren Kinder müssen sich anstrengen. Genauso “ackert” der Darm: heftigster Stuhldrang mit Verstopfung. Allerdings  arbeitet der Darm nicht harmonisch, sondern in Wellen, die dem ungestörten Stuhlgang z.T. entgegenlaufen. Heftiges Kollern oder Rumoren im Darm verursacht krampfartige Magen und Bauchschmerzen (Cham, Lyc, Arg.n, Bor, Calc, Cupr, Carb.v, Mag.c, Mag.m, Ign). Der Stuhl ist zuerst hart und dann weich: Nach Absetzen des Propfens kommt dünnflüssiger Stuhl (Lyc). Nach dem Stuhlgang geht es den Patienten besser (Nat.s, Colo, Gamb, Calc.p). Die Kinder sind schnell verfroren und suchen sich gern ein warmes Plätzchen. Säuglinge haben zudem häufig eine verstopfte Nase, was sie schlecht schlafen lässt. (Lycopodium, Kali.bi, Aurum, Sambuccus). Morgens sind sie schlecht gelaunt, unausgeschlafen und nicht selten entsteht Verstopfung nach einer Operation (Op). Kinder ,die dieses Medikament benötigen haben gelegentlich eine Leistenhernie. Die Patienten sind empfindlich gegen Gürtel ( Lyc, Lach,Calc, Arg.n), sie scheinen empfindlich auf schulmedizinische Medikamente (Puls, Sulf, Sil, Lyc, Cham, Coff, Arn, Acon.) zu reagieren. Sie mögen keine Kälte, kein Entblössen, sind sehr empfindlich auf Berührungsreize, sind ausgesprochen geruchsemfindlich (Phos, Bell, Op, Aur, Ign, Lyc, SepGraph, Colch, Sulf). Am liebsten liegen oder sitzen sie und geniessen das Warmwerden oder das warme Bett.
 

Opium (Mohnsaft)

Leitidee: "Taubheit" und Reaktionsmangel

Das Kind ist verstopft, vielleicht nach nicht verdaubaren Ereignissen wie Schreck (Geburt, Unfall, nach operativen Eingriffen) oder Tod von geliebten Personen (Ign, Acon, Ph.ac, Staph) )oder auch nach (wiederholtem) Tadel, es zieht sich zurück, "distanziert sich" , reagiert träge, gelegentlich erscheint das wie gelähmt. Der Stuhl bleibt lange im Enddarm oder schlüpft wieder zurück (Sil, Mag.m, Sanic, Lac.d, Thuj) weil Opium Kinder reaktionslos und bezogen auf den Darm ganz im Gegensatz  zu Nux vomica  "ohne Drang" sind. Das Klind  wirkt schläfrig, apathisch, schmerzunempfindlich und klagt nicht ( Aber Vorsicht, es gilt wieder einmal die Polarität: geistig mutig, und sehr verwegen sein). Der Stuhl ist hart und kleinknollig wie Schafskot (Mag.m, Alum, Alumn, Merc, Plb, Sulf, Nux.v, Sil, Graph, Nat.m, Nit.ac). Opium kann auch hilfreich sein bei der postoperativen Atonie, also einer Verstopfung nach operativen Darmeingriffen.
 

Silicea (Kieselsäure)

Leitidee: "halb- leitend", halbaustretend

Eher schmächtige, auf allen Ebenen empfindliche (Geräusche, Licht, Erschütterung,Nervenaufregung), "dünnhäutig" schüchterne Kinder, die häufig aus strategischen Gründen "ja" sagen und es dann doch nicht tun, weil sie genau wissen, was sie (nicht) wollen. Das Kind hält den Stuhl zurück (~ nicht hergeben + reserviert), er schlüpft zurück (Op, Mag.m, Sanic, Lac.d, Thuj), häufig ist er von lehmartiger Konsistenz (Alum). Silicea Kinder mögen warmes Einhüllen und verabscheuen kalte Luft und Zugluft. Bei Magenschmerzen bessern allerdings kalte Speisen (Lyc). Silicea ist eines der Hauptarzneien bei Stillschwierigkeiten, wenn das Baby die Muttermilch ablehnt  (Calc.p, Mag.c, Calc..), ältere Kinder essen Sand oder anderes Unverdauliche (Tarent). Die Haut eitert nach jeder Verletzung, Impfungen werden schlecht vertragen und ziehen Eiterbildungen an der Impfstelle nach sich. Ihre Reserviertheit und Angst vor Berührung (~ zu Nahe kommen) macht es schwer sie zu trösten (Nat.m, Sep, Ign).

 

Bryonia (Zaunrübe)

Leitidee: harter Stuhl bei großem Durst oder Sommerdurchfall

Die Verstopfung ist begleitet von Kopfschmerz (Lac.d), von heftigem Durst und Verlangen - anders als bei der Brechnuss - nach Ruhe und cacooning. Die Kinder haben Abneigung gegen Veränderungen (Calc, Graph, Caps, Cupr, Bar.c), manche seufzen, weinen, sind unzufrieden wenn sie gestört werden, andere sind mürrisch, launenhaft und wollen nur nach Hause (wo sie sich sicher, ungestört und sich materiell versorgt sehen). Nicht selten wirken sie wie leicht betäubt, aber  im Gegensatz zu Opium empfindet der Bryonia Patient bereits Bauchschmerzen wenn es sich nur bewegt. Selbst Husten oder tiefes Atmen - kurzum jede Bewegung verursacht Bauchschmerz (Bell, Nux.v, Phos, Ip). Sie neigen sowohl zu Sommerdurchfall wie auch zu schwierigem Stuhlgang mit Verstopfung (infolge Untätigkeit des Rektums), vielleicht trägt ein brennender analer Schmerz nach dem Stuhlgang ähnlich wie bei Sulf, Nux.v, Aesc, Cham, Phos, Kali.c, Med u. a. dazu bei. Blähende Speisen werden nicht vertragen oder abgelehnt (Lyc).

 

Calcium carbonicum (Austernkalk)

Leitidee: keine Probleme bei der Verstopfung

Meistens sind es gut genährte Kinder mit großem ausladenden Bauch. Sie sind eher passiv und verlangen nach einem gleichmässigen Tempo, Regelmäßigkeit und brauchen ihre Zeit bis zum Laufenlernen (Calc.p, Phos, Ph.ac, Nat.m, Sil, Caust). Das Kind  fühlt sich trotz Verstopfung wohl. Der Bauch scheint voller Steine zu sein. Manchmal sehen die Stühle aus wie Kreide, manchmal sind sie zäh von lehmartiger Konsistenz (Lac.c, Zink, Podo, Lach). Die gemütlich trägen Kinder schwitzen nachts im Schlaf bevorzugt im Nacken (Sulf, Sil, Sep, Sanic, Samb ..) oder an den Füssen. Kaltes feuchtes Wetter verschlechtert die Beschwerden, trockenes Wetter bessert. Sie essen in der Regel gern Eier (Kalkschale!), verlangen nach sauren und salzigen Speisen (Sulf, Med, Carb.v, Veratr, Phos), mögen keine schleimigen Speisen (vgl. Austernbänke), essen aber gelegentlich Unverdauliches (Sil, Alum, Nux.v, Nit.ac, Tarent). Mit Süssigkeiten sind die Kinder immer zu locken ( Arg.n, Lyc, Sacch.a, Sulf, Chin, Lyc, Ip, ..).
 

Lycopodium (Bärlappsporen)

Leitidee: gebläht

Man sagt, es seien in der Regel clevere Kinder in einem schwächlichen Körper und dicken Bäuchen (Leistenbrüche). Ältere Kinder wollen einerseits Macht, tendieren im häuslichen Rahmen gar zu diktatorischem und herrschsüchtigen Verhalten,andererseits sind sie sich der köperlichen Schwächen bewusst. Das macht sie in der Aussenwelt hilflos und "unvollständig". Sie entwickeln daraus gelegentlich eine Doppelnatur: einerseits schüchtern in der Außenwelt und zu Hause im sicheren Umfeld ein (deutlich) tyrannisches "aufgeblähtes" Wesen. Körperlich zeigt sich das z.B. durch Unverträglichkeit und Abneigung von (blähenden) Kohlsorten und Zwiebeln, sie bekommen krampfartige Bauchschmerzen bereits als Säuglinge (Cham, Nux.v, Arg.n, Bor, Calc, Cupr, Carb.v, Mag.c, Mag.m, Ign) mit Gärungen, Blähungen und  Aufstoßen. Gürtel oder gebeugtes Sitzen ( ~  Einengung) sind  ihnen zuwider. Hilflosigkeit  und "Unvollständigkeit" findet sich "körperlich übersetzt " auch bei der Ausscheidung: Verstopfung mit vergeblichem Stuhldrang und vergeblichem Pressen insbesondere bei fieberhaften Infekten, das Gefühl " nie fertig zu sein: unvollständiger Stuhlentleerung oder ein Schluckauf bleibt im Hals stecken. Lycopodium patienten vertragen keine Schalentiere (Muscheln, Austern), lieben aber Süssigkeiten, Lakritze und verlangen im allgemeinen eher warme Speisen. Generell probieren sie nicht gern neue und unbekannte Speisen aus. Ebenso misstrauen sie im Alltag unbekannten Personen, erschrecken wenn die Tür aufgeht und haben überhaupt Angst vor nicht antizipierbaren Situationen. Nicht selten zeigen sich in der Vorgeschichte eine  verlängerte Gelbsucht als Säugling oder Probleme mit der Harnausscheidung. Bei Säuglingen findet sich in der Windel gelegentlich  rote Ablagerungen (Ziegelmehlsediment), einige Säuglinge weinen vor dem Urinieren (Borx, Sanic, Sars,Acon, Lach, Nux.v).
  

Alumina (Aluminium)

Leitidee: ohne Stuhldrang, trockener Stuhl bei “künstlicher“ Milch

Die Verstopfung bei Säuglingen tritt nicht selten bei Ernährung oder Zufütterung  mit “künstlicher“ Flaschennahrung auf (Mag.m), die Kinder sind still, fast apathisch gleichgültung und haben keinen Stuhldrang. Der Stuhl ist trocken (Bry, Lyc, Nat.m, Zink) , hart wie Schafskot und kann nur unter grossen Schmerzen herausgebracht werden. Wie bei Silicea  e.a. gibt es ein Verlangen nach Unverdaulichem, insbesondere Lehm und Kreise. Aluminapatienten  mögen keine warmen Zimmer oder Bettwärme und keine Trockenheit, sie sind lieber an der frischen Luft. Man sagt  Patienten die Aluminium benötigen könnten kein Blut sehen oder den Anblick eines Messsers ertragen (Nux.v) .
 

Plumbum (Blei)

Leitidee: Darmlähmung, Verstopfung & Appetitlosigkeit

Blei verusacht chronische Verstopfung bei Kindern (Nux v, Calc, Sil, Bry, Op). Einige  ältere  Patienten berichten, es sei als ob der Nabel wie an einem Faden nach innen gezogen sei und quasi an die Wirbelsäule geheftet sei. Der Stuhl ist hart, klumpig, knotig wie Schafskot (Op, Nux.v, Alumn, Alum, Sil, Plat, Mag.m, Sulf ...). Essen bessert in der Regel die begleitenden Bauchschmerzen. Der Stuhl geht besser im Stehen ab (Caust). Manchmal hilft es den Bauch zu reiben (Podo). Die Patienten verlangen nach Salz und  Süssigkeiten (Arg.n, Calc,Carz, Med).

Graphites (Reissblei)

Leitidee: rissige Haut, träger Darm, grossvolumige Stühle

Graphites ist eine wichtige Arznei bei ekzematösen rissigen Hautausschlägen und der Neurodermitis. Der Darm dieser Patienten   ist träge und der Stuhl bleibt lange im Enddarm (Op, Sil, Lach, Calc, Alum). Der grossvolumige, harte Stuhl verursacht nicht selten Fissuren oder kleinere Einrisse am Darmausgang, was den Schmerz beim Stuhlgang verstärkt. Hautrisse begleitet von honiggelben Absonderungen finden sich bei Graphites häufiger auch hinter dem Ohr (Lyc, Sil, Hep.s, Petr, Calc). Die Kinder sind eher faul, sitzen gern und wirken etwas initiativlos oder gar "stumpf". Aber sie sind in der Regel äußerst empfindlich bei Geräuschen, mögen keine Musik, oder weinen sogar. Die Haut reagiert ebenso träge, ist verdickt, trocken und schwitzt kaum. Essen verschlechtert die Bauchschmerzen. Die Patienten mögen keine Kälte. Besser geht es ihnen an der frischen Luft.Sie haben eine deutliche Abneigung gegen Fleisch, mögen kein Salz und auch keine Süssigkeiten. Bei Magenschmerzen hilft immer ein Glas warme Milch.

 

Magnesium muriaticum 

Leitidee: Verstopfung nach Abstillen, bei Flaschenkindern, während der Zahnung

Trifft zu für Brustkinder, die nach dem Abstillen  - oder auch der etwa zeitgleichen Zahnung - eine Verstopfung  entwickeln. Der Stuhl ist hart, trocken bröckelig und weist auf eine mögliche Unverträglichkeit  gegen Milch (Mag.c) hin. Der Bauch ist hart und aufgetrieben. Nicht selten ist der heftige Stuhldrang erfolglos (was aber für praktisch alle Medikamente gilt). Die Kinder mögen harten Druck (Colo), gekrümmtes liegen und kühle frische Luft. Sie mögen es nicht auf der rechten Seite zu liegen was klinisch auf eine Leberstörung hinweist. Nicht selten ist das Organ auch vergrössert und nur druckschmerzhaft zu tasten.(Lyc, Chel, Nat.s,Nat.m, Merc). Wie bei allen Magnesiumsalzen schlafen auch die Mag.m Kinder schlecht, sind bereits ruhelos beim Einschlafen, können nach Erwachen kaum wieder einschlafen und wirken nach dem Erwachen morgens wie verwirrt.

 

Muriaticum acidum (Salzsäure)

Leitidee: Hamorrhoiden bei Kindern

Störungen im Salzsäurehaushalt beeinträgen den Magen (Magensäure) und die Verdauung. Ein roter wunder Po (Med, Sulf, Benz.ac) und Hämorrhoiden bei Kindern sind beschrieben. Infolge dieser mechanisch bedingten Passagestörung kann es zur Verstopfung kommen. In der Regel stehen aber Schleimhautstörungen des Magen Darm Traktes und des Mundes begleitet von perianaler Wundheit und durchfälligen Stühlen im Vordergrund.
   

Podophyllum

Leitidee: gewaltsame  Entladungen

Für Podophyllum ist der spundige gewaltsame herausschiessende Stuhl ebenso typisch wie das lange Verharren bevor der Darm "ausbricht". Die Stuhlentleerung geht nach einer langen Ruhephase (die zur Verstopfungstendenz führt) nicht einfach "nur" mit einer heftigen Darmentleerung einher, sondern nicht selten auch mit dem Vorfall der Darmschleinhaut (Prolaps). Durchfall im Wechsel mit Verstopfung (Op, Nux.v, Phos, Puls,Sulf, ...). Das eigentlich hervorstechende an Podophyllum ist aber weniger die Verstopfung als die heftigem durchfälligen Stuhlentleerungen und die gespannte Erwartung vor dem Stuhl. Nach der Stuhlentleerung wirken die Patienten sehr erschöpft. Die kreideartigen weissen, z. Tl  unverdauten Stühle weisen auf eine Leber-Galleproblematik hin. Entsprechend den Chinesischen Meridianzeiten hat das Leber Gallesystem ein Maximum gegen 4 Uhr. In der Tat treten Podophyllum Symptome gehäuft zwischen 2 und 4 Uhr ,also früh am morgen (Aloe, Nux.v, Sulf) auf. Reiben der Lebergegend bessert.

 

Rathania (Rettich)

Leitidee: Schneidernder  Afterschmerz

Auch der Rettich weist in seinem Arzneimittelbild Prolaps, Fissuren und Hämorrhoiden auf. Es zeigt eine deutliche Schmerzzunahme im After noch lange nach dem Stuhlgang (Sil, Sulf, Ars, Aesc, Thuj, Aloe, Nat.m, Nit.ac, Lyc) von (durch)schneidendem Charakter. Gelegentlich wird der Afterschmerz beschrieben als ob ein Splitter im Enddarm sei (Nit.ac, Alum, Aesc, Arg.n., Lach, Lyc, Kali.c ...). Natürlich vermeiden die Patienten es zu sitzen (Lyc, Sep, Sulf).

 

Nitricum acidum (Salpetersäure)

Leitidee: geschwürig entzündete Haut-Schleimgrenzen, Splitterschmerz, Faulecken
Die Salpetersäure ist eine Arznei bei Beschwerden der Körperöffnungen (Sulf, Nux.v,Sil, Sep, Podo, Aesc, Lyc, Graph, Merc, Mur.ac, Aloe). Aufgesprungene rissige Mundwinkel, blutende Mundgeschwüre, ein Splittergefühl im Hals, rote, geschwollene oder rissige Analhaut  u.ä.  zeigen das äussere Bild einer Arznei mit  "ätzender"  Wundabsonderung. Ein deutliches Hinweiszeichen auf die Arznei ist der scharfe Pferdeuringeruch. Schmerzhafte Hämorrhoiden und der stechende rektale Schmerz  (Rektumfissuren, vgl. Graph, Cham, Mur.ac, Cund, Merc, Phos, Petr, Sulf, Caust, Ign, Lyc, Nat.m, Calc.p) erschweren den Stuhlgang, so dass gelegentlich eine Verstopfung mit Blutbeimengungen im Stuhl auftritt. Es ist also vor allen Dingen eine Arznei für "schwere" Fälle mit heftigstem Schmerz während und nach der Stuhl- und/ oder der Urinentleerung.
Jüngere Kinder zeigen bereits viel Pflichtgefühl, sie geben und teilen (solange es ihnen gutgeht), sie suchen Harmonie und Freundschaft ( für später? ); ältere Patienten zeigen viele Angstsymptome um die eigene Gesundheit, gelegentlich wirkt das etwas übertreiben und hypochondrisch (Ars, Agar, Kali.ar, Phos,...). In fortgeschrittenen Stadien können die Patienten sehr " ätzend" werden. Die Patienten lieben sanfte gleitende Bewegungen wie Strassenbahnfahrten reiten, einen milden steten Druck . Hingegen verschlechtern bereits geringe Ursachen wie Kaltwerden, Erschütterungen oder Geräusche. Wie  Alum, Calc, Nux.v, Sil  verlangen auch Nit.ac Patienten nach unverdaulichen DIngen. Wie bei Calc, Mag.m, Sulf,  Lyc, Mag.c, Sil, Cupr, Alum, Nicc, .... verschlechtert Milch. 

 

Aesculus (Rosskastanie)

Leitidee: Rückenschmerzen und Verstopfung

Die Verstopfung bei der Rosskastanie ist möglicherweise auch bedingt durch Schmerz bei der Stuhlentleerung. Da wo Nitricum acidum Wundheit und einen splitterartigen Schmerz erzeugt, ist bei der Rosskastanie der  Afterschmerz eher stachelig, stechend.
Bei beiden Arzneien nimmt der Schmerz nach dem Stuhlgang noch zu (Nit.ac, Rath, Sulf,  Bry). Der  Schmerz erstreckt sich bei der Rosskastanie vom After zu den Steißbeingelenken, so dass Aufstehen, Bücken und Bewegung als deutlich unangenehm empfunden wird. Nicht selten besteht ein Ischiasschmerz oder gar ein Lähmungsgefühl in Armen oder Beinen (Alum, Sil). Ein innerliches Völlgefühl verschwindet auch nach dem Stuhlgang nicht, im Gegenteil , seltsamerweise verstärkt sich das Völlegefühl danach sogar  (Lyc, Sep). 

 

Sepia

Leitidee: zwischen "Stillstand" und heftigster Bewegung

Sepia Patienten können lange Zeit nichts tun und dann plötzlich nach heftiger Aktivität verlangen. Ihr Problem ist der Blutkreislauf, denn der wird durch Tanzen, Bewegung und Körperaktivität stabilisiert. Bleiben sie stehen "versackt das Blut" und sie werden träge.  Die Patienten entwickeln meistens ein Völlegefühl im Unterbauch oder sogar ein Pflock-, Klumpen- oder Kugelgefühl im Enddarm (Plat, Aloe, Anac, Lach, Crot.t, Nat.m). Es besteht schwieriger Stuhlgang trotz eines weichen Stuhls besonders während der Schwangerschaft, weil gleichzeitig das Gefühl eines "Sackens" innerer Organe (Proplapsgefühl) besteht, und deshalb der Stuhl unwillkürlich zurückgehalten wird.
     

Sulfur

Leitidee: heftig, hitzig, brennend, sauer, Stuhlverhaltung mit Angst

Anstrengender Stuhlgang, die Kinder haben Angst vor dem Stuhlgang wegen des schmerzhaften und wundmachenden Stuhlganges. Das Medikament Sulfur ist bei allen Problemen mit Körperöffnungen (Orifizien, vgl. Nux.v, Nit.ac, Nat.m, Sep, Sil, Caust, Merc, Aesc, Bell) in Erwägung zu ziehen. Das Kind hat einen heftigen Juckreiz und juckt sich  gelegentlich so heftig, bis die Windelregion wund wird (Lyc, Caust, Graph, Calc, Merc). Der Stuhl ist in der Regel stinkend. Sulfur Patienten sind in der Regel sehr hitzeempfindlich, zeigen brennende Hautausschläge und heftigen Juckreiz, der Patient kratzt bis es blutet (Merc, Calc, Lyc, Dulc). Bettwärme können sie schlecht ertragen, die Füsse lugen immer unter der Bettdecke hervor (Cham,Puls, Med,). Hände und Fußsohlen brennen, als ob man über glühende Kohlen gelaufen sei. Sie müssen unbedingt gekühlt werden, also suchen sie im Bett immer einen kühlen Platz. Baden und Waschen verschlechtert die Haut ebenso wie Wollkleidung.
Sulfur Patienten sind in der Regel neugierig, aktiv und wollen alles untersuchen, wenn auch nicht besonders ordentlich. Dafür haben sie immer eine neue Theorie, neue Erklärungen und eine neue Idee auf Lager. Nicht nur die Haut ,sondern auch Ihre Verdauung läuft  "auf Hitze": Neben stinkendem Stuhl und erheblichem Völlegefühl findet sich daher häufiger als Verstopfung ein schmerzloser Durchfall, der nicht selten nach unterdrückten Hausausschlägen auftritt( Lyc, Bry, Graph, Psor). Sie mögen gern Süsses (was sie aber schlecht vertragen, Arg.n, Lyc, Calc,Am.c), gelegentlich zu Saurem, Verlangen nach Gewürzen und neigen zu Stimulantien (Nux.v). Im Gegensatz zu Lycopodium mögen sie keine Oliven

Zinkum metallicum

Leitidee: Begleitende Hautekzeme (Graph)
Zink Kinder sind schreckhaft  besonders empfindlich gegen Geräusche (Coff, Nux.v, Sil, Nit.ac, Bell, Mag.m, Bry). Sie neigen zu  Nervenleitstörungen wie zittern, rucken, Schlafzuckungen, aber auch zu Taubheitszeichen wie Ameisenlaufen oder eingeschlafenen Extremitäten. Der Stuhl ist hart und trocken ( Nux.v, Sulf, Bry, Op, Sil, Lyc, Phos, Nit.ac ) ein begleitender Juckreiz um den Anus ist nicht selten(Calc, Sulf, Nit.ac, Merc,Thuj). Zinkum Kinder wirken in der nervös erschöpften Phase als ob sie Druck nur schwer standhalten könnten. Nachts im Bett können sie Beine und Füsse nicht ruhig halten (restless legs, Tarent, Rhus.t, Caust, Lyc, Nat.m, Med,Podo). Besser geht es ihnen wenn sie den "inneren Müll loszuwerden", sie schwitzen können und die Dinge zum fliessen zu bringen.Dabei quält er schon einmal andere mit seinen Beschwerden (Agar, Psor,Calc,Lach).  Äussere Unterdrückungen z.B. bestimmte Hautsalben machen die Nervosität noch schlimmer. Zink Patineten haben eine Abneigung gegen Zucker (Graph,Caust) wie auch gegen Fisch und Fleisch, wie sie überhaupt nicht gern essen und bereits der Gedanke daran verschlechtert.(Sep, Carb.v, Ars, Chin, Caust,..).
 

Psorinum 

Leitidee: Angst vor Armut

Furcht auf allen Ebenen: Furcht vor Unglück, Furcht vor Armut, Furcht beim Überqueren der Strasse, Furcht vernachlässigt zu werden (Puls) etc. Es besteht eine Erwartungsspannung, die Haut juckt, überhaupt "juckt"  den Patienten vieles, als ob ständig etwas passieren könne. Es besteht eine Tendenz zur Verstopfung, schwer gängiger aber dennoch weicher Stuhl, so dass der Eindruck ensteht, die Kinder wollen nichts hergeben und für sich behalten. Der Stuhl stinkt wie faule Eier (Ars, Sil, Podo, Calc, Sulf, Arn, Bry) . Die Kinder neigen zu ständigen Erkältungen, erholen sich schlecht, frieren schnell, neigen aber zu Hitze- und Schweissausbrüchen. Seltsamerweise essen sie besonders gut vor einer Erkrankung.
 

Tarantula (Tarantel)

Leitidee: nervöser Bewegungsdrang, Verstopfung ohne Stuhldrang, Angst bei abführenden Maßnahmen

Hochgradig unruhige spannungsgeladene Kinder, die ständig in Bewegung  - "auf der Überholspur"  - sind, schnell in Rage geraten, anderen konfrontativ entgegentreten, sie drohen und können bei Widerspruch auch heftig schlagen. Die Patienten sind sehr frostempfindlich. Die Kinder haben eine scheckliche Angst vor dem "hergeben" und so bleibt der Stuhl lange und ohne Drang im Enddarm (Op, Calc,Sil, Graph, Bry, Lach, Psor).Gelegentlich hilft das Reiben des Bauches oder rhythmische Bewegungen. Tarantulapatienten haben häufiger Probleme bei der Aufnahme von Speisen: Schluckstörungen, Unfähigkeit grössere Bissen zu kauen oder Angst zu ersticken. Sie essen eigentlich ungern. Sie haben eine Abneigung gegen Fleisch und fetthaltige Speisen, mögen aber Gewürze und Salz. Seltsamerweise verlangen sie nach Unverdaulichem

 

Lac caninum( Rottweilermilch)

Leitidee: frühe Kontaktstörung nach der Geburt 

Patienten die dieses Arznei benötigen zeigen eine Verstopfung trotz  der weichen lehmartigen Stühle .Sie leiden unter Afterkrämpfen und  pressen vergeblich. Das alles unterscheidet sie nicht von Op, Sil, Calc, Podo, Lyc, ALum, Sep, Sulf,  Arn e.a. aber Ihr Verlangen nach warmen Getränken (Bry, Lyc), die wandernden ("streunenden") Symptome, wie auch die Nachgiebigkeit im Charakter bei kleinen Kindern oder auch bei älteren Patienten die plötzlich überschiessende Bissigkeit sind deutliche Zeichen der Rottweilermilch.Sie mögen Salz und interessanterweise auch als Kinder schon gern gewürzte Speisen, insbesondere lieben sie Senf und Pfeffer.
Lac.c Patienten fühlen sich gelegentlich  wie das fünfte Rad am Wagen, nicht respektiert oder gewertet. Das lässt sie mit einer Mischung aus Unterwürfigkeit, und gelegentlichen bissigen Attacken reagieren. Sie sind sprunghaft und leicht beleidigt.  Alles wechselt und ist schnell vergessen wie die wandernden Schmerzen, wiederholte Mandelentzündungen die von rechts nach links wandern. Nicht selten steht bei den Patienten im Hintergrund eine Geschichte, wo wirkliches Stillen nicht gewünscht war, es nach der Geburt eine lange Trennung zwischen Mutter und Kind (Mag.m, Mag.c, ) gab, oder die Aufnahme in die Gemeinschaft nur widerwillig oder nach langen Kämpfen erfolgt. Kinder weinen besonders nachts (Nux.v, Lyc, Bor, Calc, Sil, Carz, Syph, Psor)