Angina, Halsschmerzen

Vorbemerkungen

 

akute Halsentzündungen

Entzündungen zeigen sich durch Rötungen und Schwellungen. Sie sind in der Regel schmerzhaft und beeinträchtigen die Funktion des betroffenen Organs. Entzündungen der Rachenschleimhaut empfinden die meisten Patienten als Kratzen oder Brennen im Hals. Sie sind mehr oder weniger begleitet von grossen Schluckbeschwerden. Diese grippalen Infekte werden gelegentlich auch als Angina (wahlweise: Virusangina, Halsentzündung, Racheninfekt etc.) bezeichnet. Angina bedeutet übersetzt „Enge“ und bezieht sich auf die begleitende Schleimhautschwellung, geschwollene Lymphknoten (Seitenstrangangina) oder geschwollene Mandeln und die daraus reslutierende Halsenge.Nicht selten beginnt eine Halsangina mit einem Erkältungsschnupfen mit oder ohne Fieber.

Erkältungskrankheiten mit Husten, Schnupfen, gelegentlichem Fieber und begleitenden Halsschmerzen treten bei Kindern vor allen bei "Systemwechsel" auf, z. B. Wechsel der Jahreszeiten, Wetterwechsel, Hitze-Kälte Wechsel aber auch bei wechselnden Lebenslagen (Eintritt in Kita, Umzug e.a.)  gehäuft auf.
Die ersten Erkältungen beginnen wenn Babies mit etwa 5 -7 Monaten anfangen das Nest zu verlassen und aktiv die Welt  "entdecken“. Mit aktivem drehen, greifen (und begreifen) stecken sie quasi die „Nase in den Wind“ und sind ab jetzt den neuen wechselnden Umwelteinflüssen ausgesetzt. Der nachlassende Nestschutz, die begleitende Zahnung oder widrige Wetterverhältnisse erzwingen eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Umwelt: Erste harmlose Erkältungen treten auf .

Oftmals wird der Begriff „Angina“ gleichgesetzt mit Mandelentzündung und dem Begriff „Scharlachangina“. Scharlach ist tatsächlich aber nur eine spezielle bakterielle Hals- und Mandelentzündung (Streptokokkenangina). Weitaus häufiger werden infektiöse akute Halsschmerzen durch Schnupfenviren hervorgerufen.
Eine (vorbeugende) antibiotische Sofortbehandlung („damit erst gar kein Scharlach entsteht“) ist bei Halsentzündungen in der Regel übertrieben oder gar falsch, denn virale Halsentzündungen dauern nur ein paar Tage. Sie sind in der Regel harmlos, insbesondere wenn das Kind trotz Schnupfennase, Husten, Fieber, Halskratzen und Weigerung feste Speisen zu sich zu nehmen weiterhin aktiv bleibt, prinzipiell normalen Appetit aufweist und gut schläft, sich also weitgehend unbeeinträchtigt zeigt.
 

chronische oder wiederkehrende Halsentzündungen

Nach chinesischem Verständnis (8 Leitkriterien) unterscheidet man heisse ( eher akute)  von kalten( eher chronischen)  Krankheitsbildern.

 

Heisse    Krankheiten Kalte     Krankheiten
eher akute    Erkrankungen eher   chronische Erkrankungen
Fülle      Muster      
Leere      Muster
Rotes Gesicht Blasses Gesicht 
Leichte Erregbarkeit  "heisslaufen" Matt ohne Vitalität
Unruhe Apathie
schweisstreibende Hitze wenig Schweiss, frostig, dauernd kalt 
Ruhelose Aktivität, ruheloser Schlaf Müde schläft viel
Wirft die Bettdecke von sich Wickelt sich fest ein
Rote Zunge Blasse weißliche Zunge
Durstig, variabler Appetit  Weniger durstig, appetitlos
Viel Schmerz Weniger  Schmerz
Druck, Bandagieren etc. verschlechtert Druck, Bandagieren etc. verbessert

 

Wiederkehrende Mandelentzündungen (chronisch ) - meist von „Polypen“, Mittelohrentzündungen und/ oder Lymphknotenschwellung begleitet - bedürfen neben einer ärztlichen Ursachenabklärung einer zusätzlichen homöopathischen konstitutionellen Behandlung.

 

Allgemeine Behandlungsmassnahmen gegen Halsschmerzen sind

  • Anfeuchten der Nasen- und Rachenschleimhäute. Gerade in Wintermonaten ist die Luftfeuchtigkeit in den geheizten, gut isolierten Wohnungen viel zu gering. Das Aufhängen feuchter Tücher oder das Verdampfen von Wasser über der Heizung ist nicht empfehlenswert. Effektive Massnahme hingegen ist das regelmässige feuchte Inhalieren von Wasser (ohne Zusätzen) z.B. im Badezimmer oder unter einer selbstgebauten „Handtuchhöhle“.
  • Kaltwasser(!) Befeuchter sind eine zusätzliche Hilfe.
  • Naturjoghurt kühlt die Schleimhäute, lässt sich leicht schlucken und sorgt durch seinen sauren pH Wert für ein besseres biologisches Rachenmilieu.
  • Fenchelhonig oder Fencheltee „beruhigt“  und wärmt ebenso den Hals wie Salbeizubereitungen.
  • Holunder fördert  (zusammen mit Pfefferminze)  das Schwitzen und dämpft den Husten bereits in frühen Stadien von Halsweh und grippalen Infekten.

Viele Pflanzen, die hilfreich bei  "akuten fieberhaften ~ heissen Zuständen" eingesetzt werden, haben sich auch bei Halsschmerzen/ Angina bewährt, weil sie die überhitzten, schmerzhaften Schleimhäute kühlen. 

 

Pflanzliche Mittel (siehe auch Husten)

  • Althea officinalis (Eibisch) beruhigt die Schleimhäute, Mund/Rachenspülungen sind hilfreich bei entzündetem Hals.
  • Plantago maior (Breitwegerich) leitet Hitze bei akuten Entzündungen aus und verhindert das Ausbreiten einer Rachen-Halsinfektion. Hilft bei akuten komplizierenden Ohrenschmerzen oder begleitenden Zahnschmerzen.
  • Salvia officinalis (Salbei) „Beruhigt und stärkt“ die Nerven wie auch den Verdauungstrakt z.B. bei Durchfall oder Halsschmerzen. 
  • Nepeta cataria (Katzenminze) kühlt nicht nur die Schleimhäut, sondern auch das angespannt nervöse Gemüt. Es mindert z.B. begleitende Kopfschmerzen.
  • Mentha Piperata (Pfefferminze) kühlt und erfrischt den Atem z.B. bei trockenem (heissem) Husten oder dem Gefühl von schmerzhaft „brennenden“ Atemwegen.
  • Sambuccus nigra (Holunder) hilft bei fiebriger Hitze besonders in frühen Stadien von grippalen Infekten nach "Windattacken". Die Pflanze erleichtert  das Schwitzen und bessert den Husten sowie lindert Beschwerden durch begleitende Nasennebenhöhlenreizungen. Sie verhindert das Absteigen eines Racheninfektes.
  • Eucalyptus globulus (Fieberbaum) Eucalyptus ist ein pflanzliches Desinfektionsmittel, es löst den Schleim und wirkt schweißtreibend. Als Tinktur wird es lokal bei Halsentzündung und Mandelreizung mit vermehrter Schleimbildung angewendet.
  • Baptisia tinctoria (wilder Indigo) bei benebelten hochfieberhaften grippalen Zuständen, Schluckbeschwerden und schlechtem Mundgeruch.
  • Foeniculum (Fenchel) wärmt bei Kälte und Schwächezuständen, reguliert das Qi. 
  • Phytolacca decandra (Kermesbeere) ist eher bei chronischen verdickten Mandeln und/oder begleitenden Lymphknotenschwellungen ohne Zeichen von Schleim oder "Hitze" angezeigt.
  • Pelogonium sidoides (Umkaloabo) pflanzliches Antibiotikum insbesondere bei Magen-Darmerkrankungen, Darmproblemen bei ungewohnter Nahrung (Reisediarrhoe), aber auch bei akuten Entzündungen des Halses.
  • Echinacea  (Sonnenhut) ist ein allgemeines Stärkungsmittel bei Infektanfälligkeit. Echiacea „reinigt“ das Blut und wirkt als pflanzliches  Antibiotikum. Es sollte eher eingesetzt werden, wenn im akuten Zustand Zeichen von Ablagerungen auf den Tonsillen zu sehen sind (Arztbesuch!.

Die Tinkturen sind untereinander kombinierbar

Dosierung: Faustregel: pro Lebensjahr 1-2  Tropfen der Tinkur aufgelöst in 200 nl Wasser als Tagesdosis  bei einer Kombination von nicht mehr als  3 - 4 Kräutern, also z.B. bei 3jährigem Kind
                                             3 - 5  Tropfen Plantago / Tag
                                             3 - 5 Tropfen Nepeta cataria / Tag
                                             3 - 5 Tropfen Tropfen Althea officinalis / Tag
                                             3 - 5 Tropfen Echinacea / Tag    

  

Homöopathische Behandlung

Repertorisieren Sie zunächst mit REMIDIAS- Free oder REMIDIAS- FAMILY und vergleichen anschliessend die vorgeschlagenen Arzneien in absteigender Reihenfolge ( von ++ - > 0 ) mit den unten näher erläuterten Arzneien.
Achten Sie besonders auf verschlechternde Modalitäten oder verbessernde Modalitäten sowie auf akute Begleitzeichen, also alles was ihr Kind tut oder möchte und wie es sich unmittelbar in dieser Situation verhält, und welche Beobachtungen Sie im Zusammenhang mit Halsschmerzen noch treffen können. 
Sind Sie sich nicht sicher, repertorisieren Sie mit REMIDIAS mehrere Kategorien (z.B. Fieber) und vergleichen die gemeinsamen Mittelvorschläge.
Vergeichen Sie anschliessend bitte die REMIDIAS Ergebnisse mit untenstehender Mittelbeschreibung (Materia Medica Vergleich). Eine sehr ausführliche Darstellung von ca 400 Medikamenten der Materia medica finden Sie bei REMIDIAS PRO.
Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich für den besten Materia medica Abgleich
 

Hier gehts' zu




Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 12- 24 Stunden schildern Sie Ihrem Homöopathen / Kinderarzt(in) Ihre Beobachtungen.

 

Hauptsymptomtabelle Halsschmerzen
 

  Belladonna Apis mellifica Arsenicum album Mercurius solubilis Hepar sulfuris
a Heißer roter Kopf zittrig  fröstelig Frostigkeit Fröstelnd Frostigkeit
a plötzlich Fieber Fröstelndes Hitzefieber Innere Hitze Schwächendes Wechselfieber   Schwächendes Nachtfieber
Fieber + Auschlag
Fieber Schweiß und Eiterunstendenz
a Kalte Hände und Füße rotes Gesicht glänzend wachsartige berührungsempfindliche Haut   Blaß - erschöpft   Aphthen
eitrige Geschwüre
Hautakneneigung
a Mandeln hochrot geschwollen
beginnende Eiterung
Mandeln glänzend  glasiert                           Mandeln vereitert und dunkelrot Mandelabszeß (Eiter wird abgekapselt)
a hochroter Rachenschleimhaut Zäpfchen geschwollen
rot-glänzend
  Zahnfleischbluten
Apthen  
 
a Zunge rotglänzend   Zunge rot-glasiert weiße Zunge Zunge schmutzig weiß geschwollen
Zahneindrücke
in der Zunge
 
a Stimme rauh heiser   Bellender Husten   Stimme ängstlich         Eher hüsteln Stimme zittrig heiser Stimme schwach  heiser Bellender Husten 
b Brennende trockene Halsschmerz Engegefühl Hals Scharlachauschlag

Nesselauschlag

juckend Halsstechen (Grätengefühl) 

Wäßrig-scharfer Schnupfen
Brennende Haut und Schleimhaut 
wunder Hals
Übler Mundgeruch
Knochenschmerz
Zahnschmerz
Splitterschmerz im Hals strahlt  ins Ohr
Akneneigung
b Pochender Kopfschmerz  Augenentzündungen Lähmungsgefühl der Speiseröhre Augenschmerzen Ohrenschmerzen
Bandgefühl um d. Kopf
Geschwürige Gaumenapthen
b Heißer Schweiß unter der Decke Heiß-kühl, kaum Schweiß Kalter klebriger Angstschweiß Öliger Nachtschweiß Schweiß stinkend-sauer     Säuerlicher Schweiß  
b Schlucken unmöglich
Schluckt aber dauernd
Schlucken unmöglich Schluckschmerz
Lähmungsgefühl
Erhebl. Speichelfluß auch  im Schlaf Schluckt dauernd Klumpengefühl Erstickungsgefühl
Räusperzwang
           
b Schluckschmerz nach Trinken nichts wollen Durstlos bei Fieber Durstig bei Frost Durst in kleinen Schlucken Nachtdurst auf Kaltes Durst auf Warmes
c Deckt sich bis zum Kopf zu Will sich entblößen (will keine Decke) Will warm eingehüllt werden   Eigentlich entblößen aber verträgt keine Zugluft
c Licht stört Zimmerwärme Allein sein Kälte,  Nachts
 Luftzug
c Erschütterungen Wärme aller Art Nasse  Kälte Temperatur- extreme Kälte
c Berührungen Berührungen Nach Mitternacht Bettwärme Bis Mitternacht
c Bettdecke  bis zum Kopf Liegen verschlechtert Anstrengung    
c     warme Getränke Kalte Getränke warme Getränke
c Ruhe
Liegt überstreckt im Bett
Kaltes Waschen
Kälte aller Art
Bettwärme,
Wärme aller Art
  Bettwärme
Wärme aller Art
c Wärme Frischluft Frischluft   Feuchte Wärme
d benommen-delirant Nachtschreck Matt schläfrig mit plözlichem schrillen Schreien Ruhelose Angst Kollapstendenz nächtliches Erwachen wie ausgeschlafen Empfindl. Gereiztheit besonders bei Luftzug
Legende

Bewegung: Verlangen/Verbesserung (Modalität)

im Liegen: Abneigung/Verschlechterung (Modalität)
kalt, kalt, kalt: hohe Bedeutung

kalt, kalt, kalt: sehr hohe Bedeutung


Die in der Hauptsymptomtabelle aufgeführten Mittel entsprechen bewährten Indikationen. Das gewählte Homöopathikum sollte in Akutpotenz (D12) zweimal  innerhalb von 15 Minuten verabreicht werden. Alternativ können Sie die Globuli in einem Glas Wasser verschütteln und schluckweise ihrem Kind anbieten. Wenn nicht innerhalb von 20 Minuten Besserung eingetreten ist, wechseln sie das Mittel.

 

Weitere Medikamente bei Halsentzündungen

 

Rhus toxicodendron (Giftsumach)

Leitidee: schmerzhaftes ruheloses Bewegungsverlangen nach Durchnässung

Der Giftsumach ist extrem empfindlich gegenüber  Aktivität in Verbindung mit Durchnässung. Überhaupt ist jede Art von feuchter Kälte wie auch Baden etc. für Rhus unangenehm (Calc, Dulc, Hep.s, Nat.s, Bell, Lyc, Merc, Kali.c, Acon). Schnupfen mit Niesen treten besonders bei Wetterwechsel zur kühlen, nassen Jahreszeit auf (Calc, Dulc, Hep.s) Der Rhus Patient reagiert mit  Bewegungsunruhe, wälzt sich im Bett (Muskelzucken), die Muskeln schmerzen nicht selten bis hin zum zum Muskelkater oder gar einer eher lähmigen Muskel- oder Gelenkgrippe. Morgens kommt es zu quälendem Aufstehen, der Anlaufschmerz, wie ihn Patienten die unter Rheuma leiden kennen, bessert sich erst unter der warmen Dusche und bei  fortgesetzter Bewegung bessert. Allerdings verlangt der Patient  im Gegensatz zum trägen verharrenden Capsicum Veränderungen. Auch der begleitenden Kopfschmerz bessert sich durch Bewegung (im Gegensatz zu Bryonia). Der Giftsumach zeigt häufig brennende, blasenbildende Hautreizungen wie nach einem Insektenstich (Kälteurticaria, Wärmeurticaria).

 

Lycopodium (Bärlappsporen) 

Leitidee: schwacher Körper, heller Kopf, unvollständig und diagonal

Bereits Neugeborene und kleine Säuglinge können nachts eine (echte) verstopfte Nase (Samb, Nux.v, Am.c, Acon, Calc, Mur.ac), mit Schlafstörungen und Trinkschwierigkeiten haben, sie schniefen stark, ihre Nasenflügel bewegen sich wie ein Fächer. Es kommt zu Halsschmerzen mit Tendenz zur Bronchitis und (rechtsseitigen) Lungenentzündungen. Das Schlucken ist schmerzhaft, der Hals fühlt sich an wie roh und brennt. Eigentrümlicherweise lindern warme Getränke. Bereits bei kleinen kindern fällt häufiges Stirnrunzeln auf ( Nux.v). Mandelentzündungen treten erst rechts dann links auf, ein Fuß ist kalt, die gegenüberliegende Hand warm. Das Essen wird abgelehnt und dann doch für gut befunden. Nicht selten leiden die Kinder unter Blähungen und einer hartnäckigen Verstopfung oder unvollständigem Stuhlgang. Manchmal wirkt das ganze ältere Kind  "unvollständig" und hilflos mit seinem (charakterlichen) "weder klein noch gross". Es hat Angst und Scheu vor Fremden, beim Auftreten in der Öffentlichkeit, ist einerseits ungemein argwöhnisch, andererseits aber äusserst diktatorisch zu seinen Eltern, anmassend zu gewährenden Grosseltern oder macht auf  "dicke" gegenüber kleineren Geschwistern. Tatsächlich neigt Lycopodium wie erwähnt zu physischen Blähungen, schwierigem Stuhlgang und Verstopfung. Aber eben auch zu einem aufblähenden Wesen. Nicht selten findet man ein Energieminimum gegen 16/ 17 Uhr nachmittags, bevor das Kind vor dem Schlaf noch einmal "aufdreht". Das Lycopodium Kind ist nicht dick sondern eher zart und hager. Sie sind eher ruhelos, mögen das Bett nicht (Liegen verschlechtert). Die Kinder verlangen nach warmen Speisen, Oliven und hassen (blähendes) Kohlgemüse und Zwiebeln. Dementsprechend geht es ihnen deutlich schlechter nach dem Essen (Puls, Nux.v, Phos), das Lösen der Kleidung erleichtert, Gürtel werden im allgemeinen nicht gern getragen.

 

Calc (Austernschalenkalk)

Leitidee: Verkühlungen bei Veränderungen
Immer wieder verstopfte trockene Nase oder Absonderungen von eitrig gelb zäher Nasenschleim insbesondere bei kalt- feuchter Wetterlage oder nach Waschen / Baden in kühlem Wasser. Insbesondere beim Wechsel zur kalten nassen Jahreszeit hin weitet sich ein Schnupfen schnell zu einer wund schmerzenden trockenen oder ebenfall verschleimten Halsentzündung aus. Vielleicht dringt der Infekt noch tiefer vor und es kommt zur Atemnot besonders bei Treppensteigen und anderen Anstrengungen (Ars.a, Apis, Merc, Nat.m, Ip, Coca, Stann, Brom, ...) oder ein Beklemmungsgefühl in der Brust (Cact, Bry). Kälte und Anstrengung schlägt auf das Atemwegssystem und verursacht akute Augenentzündungen (Puls, Dulc, Lyc, Ars, Merc, Thuj, Hep.s, Sulf, Sil). All das ist ähnlich wie bei Lyc und Nux.v, sogar die Verstopfung ist ihnen gemeinsam, aber Calc Kinder neigen zu Übergewicht und kalten feuchten Händen. Bei jungen Säuglingen die homöopathisch Kalk benötigen beobachtet man eine verzögerte Zahnung, die Fontanelle ist lange Zeit weit geöffnet (Sil, Calc.p) und die Kinder neigen zu saurem nächtlichen Kopfschweiß, wie Merc, Sanic, Bry  und Sil oder Nackenschweiß. Aber Sil Kinder frieren immer und wollen eingehüllt bleiben, während Calc Kinder - auch dickbäuchig aber eben wohlbeleibt - im Bett schnell warm werden und sich entblössen. Vielen Kleinkindern fällt das Einschlafen schwer, weil beim Augenschliessen unheimliche Bilder auftauchen (Bell, Lach, Stram, Arg.n, Chin). Die Kinder haben Furcht vor Tieren, insbesondere Mäuse und Ratten. Die meisten Calc Kinder wirken beharrlich, bedächtig und einige sogar entwicklungsverzögert. Bei genauer Betrachtung haben sie aber nur ihr eigenes Tempo. Sie mögen es gar nicht angetrieben oder unter Zeit-Druck gesetzt zu werden. Passiert das im Alltag trotzdem können bei aller sonstigen gemütlichen Behäbigkeit ziemlich zornig werden. Sie lieben Zucker (Sacch, Arg.n, Lyc, Sulf ) und essen Eier sehr gern. Gegenüber Fleisch und Milch besteht ehr eine Abneigung    

 

Silicea (Kieselsäure)

Leitidee: empfindliche unelastische Haut 
Trockener wiederkehrender Wundschnupfen mit hartem Nasensekret, wunder Nase, ständig vergeblichem Niesereiz und der Tendenz an der Nase zu zupfen oder zu bohren ( Arum.t, Cina, Lyc, Teucr, Zink)  führt im Verlauf zu wiederkehrenden eitrigen Mandelentzündungen (Merc, Hep.s Lac.c, Lyc, Calc, Iod, Bar.c, Bar.m) begleitet von stechendem Halsschmerz und Ohrenbeteiligungen (Calc.s, Merc, Hep.s, Cham, Phyt, Bell, Dulc, Caust, Caps, Ferr.p, Bar.c, Bar.m, Kalisalze). Es sind empfindliche eher "spröde" Kinder, blass, ängstlich und erwartungsgespannt (Gels, Graph, Arg.n, Nosoden). Sie sind dickbäuchig aber eher schmal und dünn, haben einen grossen "dicken" Kopf, und wirken zunächst ziemlich angepasst, reagieren aber bei näherem Hinsehen mit einem deutlich "eigenen Kopf". Diese Eigenwilligkeit vermögen sie clever einzusetzen. Sie tendieren zu Kopf - vor allen Dingen aber intensivem Fussschweiss. Meistens lernen sie langsam laufen und knicken leicht um. Elastizität und Geschmeidigkeit sind auf körperlicher und psychischere Ebene nicht ihre Stärken. Die Kinder sind empfindlich gegen alles was "in sie eindringen könnte". Deshalb steht die dünne Haut auch leicht unter Spannung: reisst ein und eitert, es gibt Beschwerden mit eingewachsenen Fingernägeln, (versteckte) Hautausschläge hinter den Ohren oder Narben werden schmerzhaft wund. Sie reagieren auch empfindlich auf  Impfungen (Thuj). Die Kinder frieren leicht. Warmes Einhüllen des Kopfes und ein Platz am warmen Ofen bessert. Sie sind empfindlich gegen nasse Kälte (Rhod, Rhus.t, Calc.p, Puls, Ars, Tub, Calc, Psor..), gegen Wind und ziemlich geräuschempfindlich. Wie bei Rhus, Calc.,Graph, Arn, e.a. kommt es leicht zum körperlichen Überheben mit Sehnen oder Gelenkschmerzen. Sie mögen in der Regel kein Fleisch (Mur.ac,Petr, Calc, Chin,Graph, Phos). Die langsame schwierige Zahnung, die Schweißneigung  insbesondere der Füsse), der schwierige Stuhlgang, Eigenwilligkeit, Fistelneigung (Tränengangverengung), brüchige Nägel, Verschlechterung bei nasskaltem Wetter erinnert stark an das Profil von Calcium carbonicum (und Nitricum acidum), aber Silicea ist  "dünn - häutiger" eigensinniger und distanzierter. Die Patienten lehnen nicht nur Muttermilch sondern auch Trost ab. Kinder weinen wenn man ihnen näherkommt, es sei denn sie sind krank ( Lyc).

 

Nitricum acidum (Salpetersäure)

Leitidee: zusammengeschnürt, Nadelschmerz (Sil, Hep.s, Arg.n, Ars)

Wie nahezu alle Halsschmerzarzneien sind auch Patienten die Salpetersäure benötigen empfindlich "am Kopf". Das wird nicht selten wie eine Zusammenschnürung, ein Band oder ein Reifen um den Kopf herum empfunden. Neben Sulf, Merc und Bry ist das besonders bei Salpetersäure ausgesprochen. Nitricums sind häufiger bei Augenentzündungen kleinerer Kinder beteiligt (Arg.n). Die Patienten haben häufig Ohrengeräusche wie sie überhaupt ziemlich empfindlich auf Geräusche reagieren (Lyc, Phos, Graph, Kali.c, Sep, Lach, Puls).Stechende splitterartige Schmerzen (Calc.sil, Hep.s, Sil) sind ebenfalls häufig zu beobachten: Laufschnupfen mit stechender Nasenschmerz, schmerzhafte Mundgeschwüre (Merc, Ars, Bism, Hep.s, ..)  rissige aufgesprungene Haut an allen Körperöffnungen  z. B. an den Mundwinkeln, ein Fremdkörpergefühl im Hals wie von Brotkrümeln oder gar ein stechender Splitterschmerz im Hals (Arg.n, Kali.c, Lach, Sil, Apis, Dol, Calc, Nat.m). Der Schmerz erstreckt sich bis zum Ohr (Nux.v, Hep.s, Phyt, Lac.c, Arg.n, Kali.c, Kali.bi)..Das Schlucken wird ebenfalls als stechend beschrieben, die Speisen bleiben im Hals stecken. Analog beschreiben ältere Patienten oftmals auch einen Splitterschmerz beim oder nach dem Stuhlgang sowie ein Gefühl der Zusammenschnürung im Enddarm. Der Urin riecht kräftig und wie Pferdeharn (Benz.ac) wie auch der Schweiß z. B. an den Fusssohlen urinös stechend riecht. Irgendwo tief in den Patienten sitzt ein harter Splitter den sie irgendwann zugezogen haben und der sie mit fortgeschrittenem Alter immer wieder piesackt  und das ganz offensichtlich an der Grenze von innen nach aussen ( von mir zu dir). Diese oftmals als miesepetrig, verbohrten und "böse Nachbarn" (Entschuldigungen lassen sie ungerührt) titulierten Persönlichkeiten findet man kaum bei Kindern. Im Gegenteil: Nitricum acidum Kinder sind häufig pflichtbewust, frisch, freigiebig und teilen gern (Merc). Sie erwarten allerdings auch, dass man sich ihnen gegenüber genauso verhält. Die Angst um die eigene Gesundheit ist gross (Arg.n, Ars, Kali.ar, Agar, Calc, Phos. ..). Sie ertragen keine inneren und äusseren Erschütterungen (Arg.n, Glon, Sil, Bell ). Sanftes Gleiten wie Autofahren, Strassenbahnfahren oder Reiten gefällt ihnen besser. Sie verlangen nach Salz und Süssigkeiten (Arg.n, Chin, Phos), Milch und Käse lehnen sie ab. Manche Kinder verlangen nach Unverdaulich "Erdhaftem" wie Erde,Kreide oder Lehm (Sil, Calc, Alum, Nat.m,..).

 

Lachesis muta (Buschmeisterschlange)

Leitidee: keine Wärme oder Bedeckung am Hals

Nachdem es den Kindern "abends noch gut" ging, erwachen sie morgens nach wechselhaftem Schlaf erschöpft mit Heiserkeit, würgendem Husten, manchmal begleitet von  Schwindel oder Kopfschmerz. Beim schleimigen Abhusten entwickeln die Patienten nicht selten eine bläuliche Gesichtsfärbung (Bell, Ant.t, Ip, Cupr, Samb). Der akute Schnupfen ist  regelhaft begleitet von einer Halsentzündung (Phos, Lac.c, Lyc, Apis, Nux.v, Merc, Calc.p). Auslöser sind möglicherweise Insektenstiche (Stichwunden, Vergiftungen) oder ein schwülwarmes (bedrückendes) Wetter (Gels). Der Patient verspürt ein Zusammenschürungsgefühl im Kehlkopfes oder ein Kloßgefühl im Hals. Leichte Berührung des Kehlkopfes löst bereits einen Hustenreiz aus. Manche Kinder können wegen einer Stimmbandlähmung (Caust) kaum sprechen. Diese prinzipiell energiereichen, freundlich lebhaften und "geschwätzigen" Lachesis Kinder geraten immer dann in die Krise, wenn sie ihren inneren Druck nicht abbauen können. Gutgemeinte Versuche mit warmen Halswickeln  oder durch  Verabreichung  von warmen Getränken den Schmerz zu lindern scheitern, weil Lachesis Patienten weder Beengung um den Hals noch Wärme ertragen. Diese können sogar Erstickungsgefühle mit vehementen Zornattacken ("sich Luft machen") nach sich ziehen. Innere „Druckerhöhung“ wie  Zorn, Demütigung, Schreck, Eifersucht (Hyos) oder Sticheleien können ebenfalls in den Lachesis Zustand führen und lassen "den Hals schwellen". Manche Kinder sind im Alltag sehr eifersüchtig. Dem Patienten geht es im Allgemeinen besser wenn er aufsteht und man ihm Kleiderdruck erspart (insbesondere keine Rollis oder Halswickel).

 

Phosphor (gelber Phosphor)

Leitidee: schmerzhafte Heiserkeit bei Halsschmerz mit Wundschnupfen (vgl. Caust, Kali.bi, Carb.v, Bell, Merc, Mang)

Phosphor wird eingesetzt bei fieberhaften Erkältungen, die von Heiserkeit und Stimmverlust begleitet sind, bei schmerzhaften Kehlkopfreizungen sowie tiefergehenden Atemwegsinfekten. Patienten die diese Arznei benötigen zeigen viele brennende Empfindungen wie z. B. einen wundmachenden "brennenden" Schnupfen begleitet von Wundschmerzen im HalsTrotz  der  Schluckschmerzen haben sie "grossen Brand" und verlangen nach kaltem Wasser (Bry, Ars, Acon, Eup.per, Bell, Stram), kaltes Wasser löscht den brennenden Magenschmerz, wird aber auch leicht nach wenigen Minuten wieder erbrochen. Viele Symptome sind begleitet von Kreislaufschwäche mit Schwindel (einem weiteren Problemfeld des Phosphorpatienten). Die Kinder tendieren zu  Nasenbluten. Seltsamerweise besteht  vermehrter Appetit bei Fieber auf eher kalte Nahrung, warme Speisen werden abgelehnt. Phosphor Kinder sind zart (Lyc, Sil) empfindlich , phantasiereich und besitzen hochempfindliche Antennen. Wegen ihrer scharfen Sinne erschrecken sie leicht ( Bell, Sil, Caust, Nux.v, Ign, Borx,..). Die kontaktfreudigen aber auch ängstlichen kleinen Patienten (Gewitterangst) geniessen das Mitleid und den Trost anderer. Sie sind sehr  kitzelig. Ein Thema bei Phosphor lautet alles "diffundiert", zerstreut  und verflüchtigt sich: Gedanken, Phantasie; Beziehungen. Beharrlichkeit und " erdige" Kontinuität ist nicht ihre Stärke. Die Patienten essen gern Salz.

 

Capsicum (spanischer Pfeffer) 

Leitidee: brennen wie Pfeffer

Capsicum Kinder werden als dick, rotwangig und faul beschrieben, sie hassen Sport (~  Fortbewegung, Vorbereitung auf); sie mögen sogar ehrgeizig sein, wirken aber immer unbeholfen und sind vor allen Dingen ohne Antrieb, um ihre Pläne zu verwirklichen. Sie sind einfach schlaff, aber dennoch reizbar durch Kleinigkeiten. Es sind (berührungs) empfindliche sensible Kinder, die schlecht Spass verstehen, schnell beleidigt sind, oder sich gern mit  glühenden Wangen oder rotem Kopf allen Aktionsbemühungen der Eltern widersetzen. Andererseits kann die Stimmung schnell wechseln, sie umarmen oder "küssen jeden", lachen und sind guter Dinge, um gleich darauf  beim geringsten Spassen wieder übellaunig und argwöhnisch zu werden, als ob man sie mit gutgemeinten Vorschlägen brandmarken würde.
Der spanische Pfeffer ist körperlich in erster Linie ein Schleimhautbrennmittel für den Bereich oberhalb des Zwerchfells: rote Angina, Mittelohrentzündungen, Sodbrennen sind Indikationen für diese Arznei. Das Brennen der Schleimhäute ist allgegenwärtig, z.B. an der Zungenspitze, insbesondere aber im Hals. Der Schmerz wird  begleitet, einem trockenen schmerzhaften, keuchhustenartigem Husten (Bell, Bry, Dros ...) und nachfolgender zäher Sekretentwicklung (Kali.bi, Cist, Coc.c.), üblem Mundgeruch sowie einem Räusperzwang und Neigung zu Sodbrennen(!) besonders morgens. Der geringste kalte Luftzug reizt die Schleimhäute. Auch im Winter, in der Kälte und nach kaltem Baden wird alles schlechter. Die Arznei hat deutliche Beziehungen zu  Ohrenproblemen  wie chronische Mittelohrentzündungen, Mastoiditis (Aur) oder wiederholte Ohrschmerzen mit „feuerroten“ Ohrmuscheln (Ferr.p). Überhaupt erscheinen Gesicht und Nase sehr rot aber kalt. Die Kinder neigen zwar zur Trägheit, einmal in kontinuierlicher Bewegung bessern sich sich die Beschwerden. Stimulantien, besonders Kaffee, werden zwar verlangt erzeugen aber Übelkeit, auch kaltes Wasser verschlechtert.

 

Causticum  (Ätzstoff Hahnemanns)                        

Leitidee: langsames trübseliges inneres Ausbrennen, Hustenstop nach "Löschen" mit kaltem Wasser 

Das Causticum Bild ist geprägt von schleichender Schwäche, das Kind ist erschöpft, weil es ständig durch Husten aus dem Schlaf geweckt wird (Sulf...). Es kann trotz zunehmender Verschleimung (wegen seiner Schwäche) nur schwer abhusten. Der Husten ist roh (Wundheitsgefühl im Hals), quälend und  heiser; das Kind verliert über Tag langsam die Stimme, als würde alles "lähmiger" oder der Widerstand käme zum Stillstand (Carb.v, Ant.t). Weitere Lähmungserscheinungen zeigen sich gelegentlich durch Einnässen im ersten Schlaf (weinende Blase) oder mit einer morgentlichen Stimmbandlähmung (Heiserkeit). Manchmal ist auch nur ein Arm eingeschlafen, der nur „mühsam aufwacht“ (kribbeln) oder der Hals scheint verrenkt und schief (nächtliches Verlegen). Trinken von kaltem Wasser "löscht" den "inneren Brand". Das Kind fühlt sich seltsamerweise wohler in trüber, feuchter Luft, kaltes trockenes und klares Winterwetter fördert hingegen die Entwicklung von Husten, Erkältungen oder bei zunehmender Schwäche gar von Bronchitiden. Die tieferen Ursachen für eine Causticum-Entwicklung sind nicht selten ein lange unterdrückter Hautausschlag (weggesalbte Hautausschläge) oder auch eine länger zurückliegende Verbrennung der Haut (Carb.v, Ars, Calc, Sulf, Chin, Tub)  Erkrankungen von denen sich die kleinen Patienten nie richtig erholt haben (Carbos, Säuren, Nosoden), Fehltritte wirken lange nach. Eine langfristige innere Reaktion ist eine Tendenz zu blutenden Warzen (Warzen an der Nasenspitze). Custicum Kinder sind eher klein  und  schmächtig (Lyc, Sil, Mag.c, Calc.P. Phos, Tub).

 

Lac caninum (Rottweilermilch)

Leitidee: zwischen Ergebenheit und unberechenbaren Ausbrüchen

Fließschnupfen mit Seitenwechsel, wunden Nasenlöchern sowie grünen Absonderungen (Merc, Lyc, Hep.s, Puls, Lach) aus dem Ohr. Kennzeichnend sind ebenfalls seitenwechselnde Ohrenschmerzen sowie schnupfenbegleitende Mandelentzündungen mit großen weißen glänzenden (~ glasierten) Belägen (Diptheriebeläge). Die vergrößerten Mandeln  führen zu erheblichen Halsschmerzen insbesondere beim Schlucken von Speisen. Ein Klumpengefühl (~ Fremdkörpergefühl, Arg.n, Sil, Alum, Nat.m, Bar.c, Nux.v, Ign) im Hals verführt zu ständigen Schluck- oder Räusperzwang (Lach), begleitet von  Würgen und Zusammenschnürungsgefühl des Halses besonders beim Einschlafen. Die stechenden Halsschmerzen beim Schlucken oder Gähnen strahlen ins Ohr aus (Nit.ac, Phyt, Hep.s, Nux.v, Ign, Sulf).

 

Ipecacuana (Brechwurzel)

Leitdee: Würgen und Übelkeit ohne Besserung durch Erbrechen (Tab, Lob)

Anhaltendes Würgen, welches durch nichts zu lindern ist; schlussendlich kommt es zu Erbrechen von Mageninhalt.  Anders als bei Ars oder Phos dauert es lange bis zum Erbrechen, gleichsam als ob sich die kleinen Patienten nicht entschliessen könnten. Verständlich, denn bei Ipecacuana bessert auch das Erbrechen nicht. Die Bronchien sind nicht selten verschleimt, die Kinder husten, würgen elendig lange um schließlich doch wieder zu erbrechen, ohne dass es ihnen danach besser ginge. Der Husten ist erstickend und erinnert an einen Keuchhustenanfall (Cupr, Dros, Nux.v), sie bekommen einen hochroten Kopf, die Halsmuskeln versteifen und gelegentlich kann Ohnmacht vor Erbrechen eintreten. Die Kinder haben ständig die Finger im Mund. Sie frieren leicht, vertragen aber keine Wärme ( und genaugenommen auch keine Kälte). Im Freien geht es ihnen wesentlich besser, solange sie sich nicht bewegen müssen.. Erkältungen treten im Gegensatz zu praktisch allen anderen Arzneien eher im Sommer bei schwül warmen Wetter auf, oder nach erheblichem Schwitzen. Erhitzung (stickige Luft) verschlechtert ebenso wie Flüssigkeitsverlust, Ohnmacht kann z.B. nach Nasenbluten auftreten. Nasswerden mag ein Ip Patient nicht. Calc, Puls, Rhus.t, Bry,  Dulc, Lyc sind weitere Medikamente die Durchnässung nicht vertragen, allerdings in der Regel kalte Durchnässung.

 

Phytholacca (Kermesbeere)

Leitidee : diphterische Mandelbeläge
Die Kermesbeere ist eine wichtige Diphterie Arznei.Diphterische Rachenbeläge liegen flächenhaft grau weiß (Lac.c)  über den Mandeln, dem Zäpfchen und  sogar über er Zunge. Das ähnelt dem Bild einer fortgeschrittenen Mandelentzündung ( Angina lacunaris) . Es besteht eine allgemeine Schwellung und Berühungsempfindlichkeit des Halses. Die Schmerzen strahlen typischerweise über die Ohrtube ins Ohr aus (Tubenkatarrh). Typisch für die Diphterie ist ein Lähmung im inneren Halsbereich bei der die Speisen aus der Nase herauskommen (Lac.c, Lach, Naja, Ars, Caust, Merc.ff). Regelhaft liegt bei Phytolacca  eine begleitende harte Drüsenschwellung des äusseren Halses vor. . Analog einer diphterischen Schwäche ist Ihr Kreislauf schlecht. Insbesondere Aufstehen  oder nur Aufrichten vom Bett kann zur Ohnmacht führen (Bry, Carb.v, Iod, Acon). Etliche Patienten leiden unter Gliederschmerzen, rheumatischen Schmerzen bis hin zu Ischiasbeschwerden mit Taubheitsgefühlen im Bein (Plb, Ars, Caust, Merc, Plat).  Warme Getränke werden als gutgemeinte Versuche den Halsschmerz zu lindern abgelehnt.Kinder haben die Neigung die Zähne während der Zahnung stark zusammen zu beissen.

Arum triphyllum (Aronstab)

Leitidee: wunder roher Hals, beissend wundmachender Schnupfen
Typisch für dieses Arznei sind rohe schmerzhaft blutige Schleimhautentzündungen in Mund, Hals oder Rachen (Ars, Merc, Nit.ac). Die scharfen Nasenentzündungen veranlassen die nervösen Kinder ständig reflexartig an Nase oder Lippen zu zupfen (bis sie blutet) oder in der Nase herum zu bohren (Hyos, Veratr). Neben dem wundmachenden Schnupfen bestehen erhebliche Schluckschmerzen, weil auch der innere Hals wund und roh ist. Der ganze Mund  ist wund (Ars, Merc, Merc.c, Bism, Mez, Lach, Iris, Bell, Nit.ac, Sulf, Bor, Brom, Caps, Lyss, Calc, Phos, Manc, Kali.bi, Nat.m, Hydr,Ip, Psor, Med, Ran.b, .),die Lippen sind rauh und blutig  aufgesprungen. Sie haben wohl deshalb (?) trotz Durst Angst zu trinken (Bell, Lach, Merc, Lyc,Lyss) ,selbst das Räuspern schmerzt. Der Aronstab ist eine "beissende Arznei für bissige" Kinder" (Lyc, Cina, Phos, Lach, Stram, Ars, Bell, Med, Lyss).

 

Barium carbonicum

Leitidee: geschwollene Drüsen

Barium Kinder tendieren zu einer gedrungenen äußeren Erscheinung. Auch ihre Lymphknoten sind häufig geschwollen oder vergrößert. Sie neigen zu Erkältungskrankheiten mit ständig verschnupfter Nase und  vergrößerten Mandeln, die leicht vereitern. Es sind stille Kinder, die nur langsam wachsen wollen und spät das Laufen lernen. Oftmals wirken sie schüchtern und unentschlossen. Sie beobachten lieber die Umgebung mit einer Mischung aus Angst und Reserviertheit, verstecken sich gern hinter der Mutter oder blicken verstohlen durch die Finger, die sie sich vors Gesicht halten.

 

Dolichos pruriens (Juckbohne)

Leitidee: Halsschmerz und Juckreiz

Splitterschmerz im Hals (Arg.n, Hep.s, Nit.ac), meistens auf der rechten Seite begleitet von Übelkeit, Verstopfung und starkem Hautjucken ohne Ausschlag. Bei Kindern tritt diese Kombination auch in Verbindung mit Wurmbefall auf.

 

Ailanthus glandulosa (Götterbaum)

Leitidee: "nach innen schlagender" Scharlach

Schwer kranke bereits bewustseinsgestörte Patienten mit dick eitrigen Mandelentzündungen hervorgerufen durch blutzersetzende Bakterien (Scharlacherreger). Der Zustand  erfordert zwingend die sofortige ärztliche Untersuchung. Die destruktive Mandelentzündung wird praktisch immer von dunklen Hautausschlägen und Hautblutungen begleitet. Der äußere Hals und die umliegenden Drüsen sind schmerzhaft geschwollen und erheblich berührungsempfindlich. Der innere Hals ist dunkelrot geschwollen. Das Schlucken ist erschwert und schmerzhaft. Der gebildetet Schleim setzt sich auf den Zähnen fest.

 

Bryonia (Zaunrübe)

Leitidee: hält sich den Kopf beim  trockenen Husten, bewegungslos 

Die Leitzeichen von Bryonia sind Trockenheit (trockene rissige Lippen, trockener Mund, trockene Zunge und trockene  Schleimhäute, trockene Verstopfung) sowie absolutes Ruhebedürfnis. Bereits Essen führt zu Bewegung und kann  trockenen schmerzhaften Husten und Erbrechen auslösen. Der Husten verstärkt den drückenden Kopfschmerz und bei jedem Hustenstoß hat man das Gefühl, er platze gleich (Nux.v, Acon, Bell, Glon). Jede Lageveränderung bringt Unruhe und damit Verschlechterung. Selbst die Atembewegung löst einen stechenden Brustschmerz aus. Am liebsten liegt das Kind folglich auf der schmerzhaften Stelle, hält sich die Brust (bei der unvermeidlichen Atembewegung) und will seine Ruhe. Die Trockenheit zieht großen Durst auf Kaltes nach sich, das Kind will viel auf einmal trinken, was wiederum Husten auslöst (weil Schlucken ja bereits Bewegung bedeutet). Es trinkt also viel, in großen Zügen und mit  eher großen Abständen. Warme Zimmer verschlechtern ebenso wie Wetterwechsel zum Warmen hin (Tub, Sulf, Lyc, Puls), denn Wärme bringt den Körper in Unruhe. Lieber mag es Frischluft unter einer luftigen Decke.

 

Gelsemium (falscher Jasmin)

Leitidee: lähmige Kopf und Muskelgrippe, Nackenschmerzen, zunehmende Schwäche

Langsam schleichender Beginn des Fiebers. Dem Kind geht es trotz der relativ niedrigen Temperatur schlecht. Es kann z.B. vor Nackenschwäche den Kopf nicht aufrecht halten. Der grippale  Infekt zieht sich in die Länge, alles stagniert oder das Fieber kommt immer wieder zurück (zweiter Fieberanstieg). Drückende Schmerzen  im Hinterkopf machen benommen und schwerfällig (Adynamie). Die grippale  Schwere in allen Gliedern lähmt  (~ Curareverwandschaft), selbst das Durstzentrum scheint gelähmt zu sein: Durstlosigkeit trotz Fieber (Apis,Puls). Das Blut bleibt fast in den Adern stehen und staut sich  im venösen System, daher das dunkelrote Gesicht (Bell, Lach, Samb, Op, Bapt). Schwere Augenlider (Caust) und zunehmende körperliche & geistige Schwäche (Mutlosigkeit) ist typisch. Ebensolche Benommenheit  findet auf der psychischen Ebene. Gelsemium ist geeignet für  Kinder, die aus Schwäche heraus und in Erwartung von  Nackenschlägen (Hinterkopfschmerz) „wie gelähmt oder gehemmt wirken  (~ Prüfungsangst). Tatsächlich geht bei Ihnen vor Schwäche „viel in die Hose“ (Durchfallneigung vor Prüfungen). Gelsemium ist für Menschen geeignet, die nach längeren grippalen Infekten nur langsam wieder zu alter Form zurückfinden und sich noch lange schwach fühlen. Trotz aller Nackenschläge „rappeln“ sie sich aber immer wieder hoch.

 

        Mezereum (Seidenblast)

Leitidee:
Der Seidenblast wird hauptsächlich bei chronisch entzündlichen Hautkrankheiten eingesetzt, die nicht selten nach Impfungen (Sil) oder durch unterdrückende Salben entstanden sind. Patienten die die Arznei benötigen verspüren oft ein heftiges, brennendes Jucken, das Kind kratzt sich ständig bis es blutet (Graph, Agar, Sulf, Ars, Psor). Die Haut verschorft  insbesondere am Kopf mit dicken gelben Krusten. Das Hautjucken tritt nach Kratzen indes an anderer Stelle prompt wieder auf ( ommt wieder zum Vorschein, vgl. unterdrückende Salben) .Typischerweise finden sich einseitige Symptome. Mezereum ist auch eine Arznei für die Schleimhäute von Mund und Magen. Im Hals besteht ein ständiger Räusperzwang( Caust, Lyc, Kali.c, Nux.v, Sep, Cor.r, Kali.bi, Kali.s, Puls) begleitet von einem rauhen Halssgefühl. Der feuerrote Hals ist verschleimt , der Schmerz wie roh oder brennt wie Pfeffer vom Rachen durch die Speiseröhre bis zum Magen (Iris.v). Wegen des Engegefühls im Hals geht es im Freien besser , auch essen bessert, während Kälte, der Winter oder kaltes Baden verschlechtert. Interessanterweise verschlechtert auch Wärme (die Haut) , obwohl die Patienten leicht frieren und entblössen sie leicht frieren lässt. (Puls, Camph, Ars, Lyc, Carbn.s, Agar, Bry, Dulc, Led, Apis, Ip, Merc, Phos